| Veranstaltung: | XXXI. Bundeskongress |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 12.b. Leitantrag des Bundesvorstands |
| Status: | Beschluss |
| Beschluss durch: | Bundeskongress |
| Beschlossen am: | 24.05.2025 |
| Basierend auf: | LA: Firewall für die Freiheit |
Firewall für die Freiheit
Beschlusstext
Ob wir lernen, arbeiten, kommunizieren oder unsere Freizeit gestalten: Unser
Leben findet längst auch im digitalen Raum statt. Bildung, Wirtschaft,
Gesundheitswesen, Verwaltung und Privatsphäre – all diese Bereiche sind heute
ohne sichere, verlässliche Informationstechnologie nicht mehr denkbar. Unsere
Gesellschaft ist vernetzt wie nie zuvor.
Doch damit wachsen auch die Risiken. Hackerangriffe auf kritische Infrastruktur,
großflächige Datenlecks, gezielte Desinformationskampagnen und digitale
Erpressung bedrohen nicht nur technische Systeme, sondern auch unsere
demokratischen Grundwerte. Wer digitale Freiheit will, muss digitale Sicherheit
ernst nehmen – ohne dabei in autoritäre Reflexe zu verfallen.
Wir JUNOS sind überzeugt: Freiheit endet nicht an der eigenen Haustür und auch
nicht am Bildschirmrand.
Gerade im digitalen Raum müssen Grundrechte, Rechtsstaatlichkeit und
Selbstbestimmung konsequent verteidigt werden. Denn wer die digitale Welt nur
als Bedrohung sieht, wird sie nie gerecht gestalten können. Unser Ziel ist eine
mutige, lösungsorientierte Politik, die Sicherheit schafft, ohne Freiheit zu
opfern – und die Österreich und Europa in eine selbstbestimmte, digitale
Zukunft führt.
Wir kämpfen für einen Staat, der nicht überfordert reagiert, sondern
strategisch handelt. Der auf Eigenverantwortung und Innovation setzt – statt
auf Misstrauen und Kontrolle.
Sicherheit im digitalen Raum beginnt nicht bei Firewalls oder Gesetzen, sondern
bei mündigen Bürgerinnen und Bürgern. Wer Risiken nicht versteht, kann sich
nicht schützen.
- Verpflichtende IT-Bildung an allen Schultypen: Grundlagen der
Netzwerksicherheit und des Programmierens, Datenschutzrechte und
Datensicherheit sollen fixer Bestandteil des Lehrplans in allen
allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen sein. Ziel sollte sein,
eine grundsätzliche Awareness zu schaffen, dass das Internet und
insbesondere Soziale Medien kein rechtsfreier Raum sind.
- Auch Lehrerinnen und Lehrer müssen umfassend fortgebildet werden, indem
digitale Lehrmethoden in der Lehrer:innenausbildung verankert werden.[1]
Die Bildungsdirektionen und das Bildungsministerium sollen verpflichtende
Fort- und Weiterbildungen im Bereich KI und Digitalisierung für
Lehrkräfte anbieten.
- Medienbildung stärken: Entscheidend für einen mündigen Umgang mit
Online-Medienangeboten und Soziale Medien ist eine hochwertige
Medienbildung an Schulen. Diese muss interaktiv gestaltet sein –
inklusive Aufklärung über Fact-Checking-Plattformen und den Umgang mit
Algorithmen. Sensibilisierung und Umgang mit Sozialen Medien sollen
bereits frühzeitig begleitend durch die Schulen erlernt werden. Dazu
gehört auch zu unterrichten, wie man künstliche Intelligenz richtig
nutzt und davon nicht getäuscht wird. Dabei soll digitale Mündigkeit in
den Vordergrund gestellt werden, also die Fähigkeit, digitale
Informationen zu suchen, auszuwerten, kritisch zu hinterfragen und deren
Quellen zu analysieren.
- Medienschulungen für Eltern: Mit der Einschulung ihrer Kinder sollen
Erziehungsberechtigte eine kostenlose Medienschulung absolvieren, um ihre
Kinder beim sicheren Umgang mit digitalen Medien zu unterstützen. Die
terminliche Zuteilung soll durch ein Nudging-Konzept erfolgen z.B.
automatische Zusendung eines etwaig zu verschiebenden Termins. Zusätzlich
soll allen Erziehungsberechtigten die Option offenstehen, jederzeit
freiwillig an solchen Medienschulungen teilzunehmen.
Der Staat schützt Freiheit durch Sicherheit – nicht durch Überwachung.
Cybersicherheit ist eine staatliche Kernaufgabe, die sich insbesondere auf
kritische Infrastrukturen, den öffentlichen Sektor und die Sicherheit der Bürger
im digitalen Raum beziehen muss. Dabei muss sie verhältnismäßig und
grundrechtskonform gestaltet sein.
- Kritische Infrastruktur absichern: Kritische Infrastrukturen sind
Organisationen oder Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das
staatliche Gemeinwesen, bei deren Ausfall oder Beeinträchtigung
nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der
öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten würden.
Sie müssen professionell abgesichert und durch regelmäßige IT-
Sicherheitsaudits kontrolliert werden. Chinesische, russische und
amerikanische Beteiligung an kritischer europäischer Infrastruktur –
egal ob digital oder konventionell – kann nur unter strengsten Auflagen
geduldet werden.[2] Wenn möglich, soll dabei verstärkt auf europäische
Technologien und Anbieter gesetzt werden. Einheitlich gewartete Systeme
und zentrale Standards erhöhen zudem die Sicherheit und Effizienz: Gerade
auf Gemeindeebene fehlen oft die Ressourcen für eigene IT-Fachleute. Eine
moderne Cyberstrategie muss daher auch föderale Schnittstellenprobleme
lösen.
- Spezialisierte Cyberabwehr-Einheiten aufbauen: Österreich braucht gut
ausgestattete, schlagkräftige Cyberabwehrkapazitäten im Bundesheer und
bei der Polizei, die Angriffe abwehren und Straftaten verfolgen können.
- Cybersecurity-Zentrum (CSZ) schaffen: Alle staatlichen Kompetenzen im
Bereich Cybersicherheit sollen in einem österreichischen Cyber-Security
Zentrum gebündelt werden – nach Vorbild des deutschen BSI. Dieses
Zentrum soll auch als Anlauf- und Beratungsstelle dienen.
Keine massenhafte Überwachung – Grundrechte gelten auch
digital
Jeder ungerechtfertigte Eingriff in das freie Internet ist damit auch ein
Eingriff in die individuelle Freiheit und die grundlegenden Rechte eines jedes
Menschen. Selbst angesichts realer Bedrohungen wie Hass, Missbrauch oder
Kriminalität darf die Antwort nie in flächendeckender Überwachung oder
unüberlegten Eingriffen in die Grund- und Freiheitsrechte des Individuums
liegen.
Gerade in Zeiten zunehmender Verunsicherung und lauter werdender Forderungen
nach mehr Überwachung ist es umso wichtiger, klar für die Wahrung von
Grundrechten einzutreten.
Das Recht auf Privatsphäre und Datenschutz ist kein Luxus, sondern ein
Fundament unserer liberalen Demokratie. Staatliche Eingriffe wie eine
Vorratsdatenspeicherung oder der Einsatz von Bundestrojanern sind mit einem
liberalen Rechtsstaat und individuellen Freiheiten unvereinbar. Wir stellen uns
solchen Maßnahmen entschieden entgegen.[3]
- Uploadfilter gefährden Meinungsfreiheit: Automatisierte Filtersysteme,
die Inhalte bereits beim Hochladen blockieren, können kreative Inhalte,
politische Satire oder gesellschaftliche Debatten unterdrücken – und
sind in der Praxis fehleranfällig und intransparent.
- Klares Nein zur Klarnamenpflicht: Die Klarnamenspflicht schafft es nicht,
Hass und Hetze im Netz zu verhindern. Stattdessen stellt sie eine
wesentliche Gefahr für unsere Demokratie dar. Sie dient der
Einschüchterung von Widerstandsgruppen und hindert die Bildung neuer
Meinungen und Positionen.[4]
- Vorratsdatenspeicherung ist unverhältnismäßig: Die anlasslose
Speicherung von Kommunikationsdaten der gesamten Bevölkerung wurde
mehrfach vom Europäischen Gerichtshof gekippt. Sie verletzt Grundrechte
und nützt nachweislich kaum der Strafverfolgung. Wir sprechen uns daher
gegen jegliche solche Maßnahmen aus, da bei einer derart großen Menge an
Daten über die Gesamtbevölkerung jederzeit die Gefahr unberechtigter
Zugriffe durch Dritte, und in der Folge eine mögliche Rekonstruktion von
Bewegungsprofilen, geschäftlicher Kontakte sowie (Freundschafts-
)Beziehungen besteht. Auch Rückschlüsse auf den Inhalt der
Kommunikation, persönliche Interessen und die Lebenssituation der
Kommunizierenden wären letztendlich möglich.[5]
- Terror bekämpfen und Daten schützen ist kein Widerspruch: Terroristen
nutzen längst verschlüsselte Kommunikation und eine Vielzahl digitaler
Plattformen zur Koordination und Radikalisierung. Ein moderner, wehrhafter
Rechtsstaat darf sich davor nicht blind stellen. Gleichzeitig ist klar:
Der Schutz der Privatsphäre und der Grundrechte bleibt unantastbar –
auch im digitalen Raum. Deshalb gilt für uns: Jeglicher Eingriff in
private Kommunikation darf nur unter außergewöhnlich strengen
Bedingungen erfolgen. Es braucht eine neue Qualität der Kontrolle: Jeder
Zugriff muss auf eine klar eingegrenzte Zielgruppe beschränkt sein,
richterlich genehmigt werden und unter einer noch nie dagewesenen,
effektiven parlamentarischen und zivilgesellschaftlichen Kontrolle stehen.
Statt pauschaler Überwachung braucht es gezielte Maßnahmen gegen echte
Gefahren – mit technischen, rechtlichen und institutionellen Barrieren
gegen Missbrauch. Die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit darf nicht
aus dem Gleichgewicht geraten. Wir stehen für einen Staat, der seine
Bürger schützt – vor Terror, aber auch vor dem Übergriff durch den
Staat selbst.
- Nein zur EU-weiten Chatkontrolle: Der Vorschlag der EU-Kommission zur
verpflichtenden Durchsuchung privater Nachrichten auf Endgeräten ist ein
massiver Eingriff in die Vertraulichkeit von digitaler Kommunikation. Eine
anlasslose Massenüberwachung privater Kommunikation – auch mit dem Ziel
des Kinderschutzes – gefährdet Grundrechte, ohne Sicherheit effektiv zu
erhöhen.
Digitale Sicherheit braucht mehr als Regulierung – sie braucht Innovation.
Europa darf bei der Digitalisierung nicht nur auf Kontrolle und Vorschriften
setzen. Es braucht ein innovationsfreundliches Umfeld, das Cybersicherheit als
Teil unternehmerischer und technologischer Weiterentwicklung versteht. Startups,
Wissenschaft und Wirtschaft müssen Freiräume erhalten, um neue Ideen zu
erproben – ohne durch übermäßige Bürokratie ausgebremst zu werden.
- Förderung von Open-Source-Software in öffentlichen Institutionen: :
Öffentliche Einrichtungen sollen bei jeder IT-Beschaffung Open-Source-
Lösungen als gleichwertige Option berücksichtigen und diese bevorzugt
einsetzen, sofern sie den funktionalen, wirtschaftlichen und
sicherheitsrelevanten Anforderungen entsprechen. Ein besonderes Augenmerk
gilt dabei der langfristigen Wartbarkeit und dem verlässlichen Support.
Die Entscheidung erfolgt auf Fall-zu-Fall-Basis unter Berücksichtigung
der jeweiligen Rahmenbedingungen. Zusätzlich sprechen wir uns für eine
Harmonisierung der open-source-practices auf EU-Ebene aus.
- Regulatory Sandboxes schaffen: Unternehmen sollen neue
Sicherheitstechnologien unter realistischen Bedingungen testen dürfen, um
Innovation nicht durch Überregulierung zu ersticken. Dabei braucht es
eine gezielte Einbindung von White-Hat-Hackern bzw. Ethical Hackern, die
in einem rechtlich geschützten Rahmen aktiv Sicherheitslücken aufdecken
und Schwachstellen aufzeigen können. So wird nicht nur die technische
Sicherheit gestärkt, sondern auch ein praxisnaher Ansatz gefördert, der
digitale Innovation mit effektiver Sicherheitsprüfung verbindet.
- Schnelle Sicherheitszertifizierungen: Verfahren zur Zertifizierung von
Sicherheitsstandards sollen effizient, transparent und
innovationsfreundlich gestaltet werden.
- Synergien bei Regulierung nutzen: Anforderungen aus NIS2, DSGVO oder
anderen EU-Richtlinien sollen besser aufeinander abgestimmt werden, um
Mehrfachprüfungen, Doppelgleisigkeiten und unnötige Kosten zu vermeiden.
Österreich sollte hier Vorreiter bei der Entbürokratisierung sein.
- Kein Gold Plating bei NIS2: Die nationale Umsetzung der NIS2-Richtlinie
darf nicht über die Vorgaben der EU hinausgehen. Zusätzliche Auflagen
kosten Zeit, Geld und gefährden die Wettbewerbsfähigkeit innovativer
Unternehmen.
- Innovationsfeindliche Bürokratie durch den AI Act verhindern: Der
European AI Act droht in seiner derzeitigen Form, europäische
Innovationskraft durch überbordende Bürokratie massiv auszubremsen.
Statt sich auf risikobasierte, praktikable Standards zu konzentrieren,
entsteht ein starres, technikfernes Regelwerk, das gerade für Start-ups
und KMUs zur Wachstumsbremse wird. Österreich muss sich entschieden
dafür einsetzen, dass der AI Act in der Praxis anwendbar bleibt – und
nicht zum Paradebeispiel für gut gemeinte, aber realitätsferne
Regulierung wird.
4. Digitale Souveränität ernst nehmen: Umgang
mit TikTok und Co.
Freiheit braucht einen verantwortungsvollen Umgang mit Technologie. Digitale
Plattformen wie TikTok, Instagram oder YouTube sind heute zentrale Orte der
Kommunikation, Meinungsbildung und Unterhaltung. Doch gerade autoritär
gesteuerte Anbieter stellen ein Risiko dar – sei es durch problematische
Datennutzung, intransparente Algorithmen oder politische Einflussnahme. Es
braucht daher eine klare europäische Antwort auf die Machtkonzentration
einzelner Plattformen, ohne in eine übertriebene und oft reflexartige
Verbotslogik zu verfallen.
- Strenge Datenschutzvorgaben durchsetzen: Plattformen wie TikTok müssen
europäische Datenschutzregeln strikt einhalten – bei Verstößen droht
der Ausschluss vom europäischen Markt. Der aktuelle Umgang mit Safe-
Harbour-Nachfolgeregelungen und die Speicherung europäischer Nutzerdaten
durch Unternehmen wie Meta in den USA zeigen, dass die Durchsetzung der
DSGVO oft unzureichend ist. Hier braucht es endlich konsequente Sanktionen
und klare technische Vorgaben.
- Verstärkte Maßnahmen gegen Radikalisierung auf Plattformen: Einsatz auf
EU-Ebene für die Implementierung von einstweiligen Verfügungen zur
Sperrung von Accounts von Hasspredigern. Als Hassprediger definieren wir
all jene, die direkt oder indirekt zu Gewalt gegen die liberale
Gesellschaft bzw. Teile dieser, oder zur Missachtung ihrer Grundwerte
aufrufen.
- Behördliche Nutzung regeln: TikTok und vergleichbare Plattformen, hinter
welcher Software aus Staaten mit fragwürdiger geopolitischer
Vertrauenswürdigkeit steht , sollen auf behördlichen Geräten verboten
jedoch in abgeschotteten Sandbox- oder Safebox-Umgebungen zur
Öffentlichkeitsarbeit genutzt werden dürfen..[6]
- Altersverifikation sicherstellen: Soziale Netzwerke sollen verpflichtend
verifizierbare Altersangaben über eine europäische digitale Signatur
sicherstellen. [7]
- Content-Filter für unter 14-Jährige: Inhalte mit potenziellen Risiken
sollen für diese Altersgruppe automatisiert eingeschränkt werden. Bis
zum 14. Lebensjahr soll nur ein privater Account erlaubt sein.
- Vollversion ab 14 Jahren: Ab 14 Jahren sollen Jugendliche, auf Basis von
Medienbildung, selbstbestimmt entscheiden, wie sie Soziale Medien nutzen.
Wir JUNOS fordern einen evidenzbasierten, rechtsstaatlichen und abgestuften
Umgang mit digitalen Plattformen, die aus autoritären Staaten betrieben werden
oder sonst strategische Risiken für Europa darstellen. Ziel ist nicht ein
reflexhaftes Verbot, sondern die konsequente Verteidigung europäischer
Grundwerte, Datenschutzstandards und unserer Souveränität.
- Verbindliche Ansprechstellen und Anti-Diskriminierungspflichten
sicherstellen: Plattformen müssen eine rechtlich verantwortliche
Ansprechperson mit Sitz in der EU benennen, die auf behördliche Anfragen
reagieren kann. Zusätzlich braucht es klare Regeln gegen algorithmische
Diskriminierung: Inhalte dürfen nicht systematisch benachteiligt oder
bevorzugt und bestimmte Gruppen nicht verzerrt dargestellt werden.
- Staatliche Nutzung sofort einschränken
Solange keine vollständige Risikoüberprüfung erfolgt ist, soll die
Nutzung risikobehafteter Plattformen auf Behördenhandys und in kritischen
Infrastrukturen untersagt sein.
- Sicherheitsprüfung durch unabhängige Stellen
Plattformen mit Sitz oder Eigentum in autoritär regierten Staaten sollen
verpflichtend durch ENISA oder nationale Datenschutzbehörden auf
Sicherheitsrisiken geprüft werden.
- Verkauf oder Abspaltung als Ultima Ratio
Wenn systemische Risiken nicht anders behebbar sind, soll die EU auf einen
Verkauf des europäischen Geschäfts oder dessen Abspaltung hinwirken.
Wenn sich die Betreiber weigern, soll die Bereitstellung der Plattform in
der EU verboten werden.
Dieser Stufenplan schafft Sicherheit durch Rechtsstaatlichkeit – nicht durch
Symbolpolitik. Unsere Antwort darf nicht sein, Eigenverantwortung reflexartig
abzusprechen und Plattformen sofort zu verbieten. Doch wenn die Radikalisierung
im digitalen Raum wächst und Plattformen wie TikTok ein Nährboden für
Extremisten und Hassprediger sind, muss man entschieden dagegenwirken. TikTok
steht unter starkem Einfluss des chinesischen Staates – das stellt ein
strategisches Risiko für unsere demokratischen Grundwerte dar.
Die Zahl gezielter Cyberangriffe auf demokratische Staaten steigt stetig – ob
durch staatlich gesteuerte Gruppen, kriminelle Netzwerke oder autoritäre
Regime. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat deutlich gemacht, dass
digitale Infrastrukturen längst Teil moderner Konflikte sind. Angesichts
wachsender geopolitischer Spannungen muss Europa geeint, entschlossen und
effizient handeln, um seine digitale Souveränität und strategischen Interessen
zu schützen.
- Stärkung der europäischen Agentur ENISA: ENISA soll dauerhaft aus dem
EU-Budget finanziert und mit echten operativen Kompetenzen ausgestattet
werden.
- Gemeinsame europäische Cyber-Einheiten: Es sollen spezialisierte Teams
zur Abwehr von Cyberangriffen und externen Bedrohungen für kritische
Infrastruktur – inklusive Forschungs- und Analysekapazitäten entwickelt
werden, die mittelfristig in eine Europäische Armee eingegliedert werden.
- Harmonisierung von Sicherheitsstandards: Einheitliche Mindestanforderungen
für kritische Infrastrukturen in ganz Europa verringern Risiken und
stärken Vertrauen. Daher muss sich Österreich auf EU-Ebene für die
Implementierung solcher gemeinsamen Standards einsetzen.
- Sunset Clauses und laufende Evaluierung: Gesetzliche Maßnahmen wie der
DSA oder die DSGVO müssen regelmäßig evaluiert und gegebenenfalls
angepasst werden, um Überregulierung zu verhindern und zu gewährleisten,
dass Innovation nicht an überbordenden EU-Rechtsakten scheitert. Zudem
müssen sie mit einer Sunset Clause, also einer Bestimmung, die ein
automatisches Auslaufen bei nicht rechtzeitiger bewusster Verlängerung
oder Neuerlassung, versehen werden. So wird gesichert, dass der
europäische Gesetzgeber sich regelmäßig mit gegebenenfalls
innovationshemmenden Regelungen auseinandersetzen muss.
- Konsequente Umsetzung von DSA und DMA: Der Digital Services Act und der
Digital Markets Act sind wichtige Schritte für Transparenz und Wettbewerb
im digitalen Raum. Beide Regelwerke müssen entschlossen und transparent
umgesetzt werden, um Plattformbetreiber stärker in die Pflicht zu nehmen.
Nur so kann Europa ein freies, sicheres und fair reguliertes Internet
garantieren.
Demokratie braucht ein freies, aber wehrhaftes und sicheres Internet.
Digitale Plattformen ermöglichen Vielfalt, schaffen Sichtbarkeit – aber sie
sind auch Einfallstore für Desinformation, Hass und algorithmische Verzerrung.
Wir setzen uns für eine digitale Debattenkultur ein, die auf Offenheit, Fakten
und Aufklärung basiert – nicht auf Überwachung oder zentraler Kontrolle.
- Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte: Audio-visuell generierte
Inhalte – insbesondere DeepFakes, KI-erstellte Bilder und Videos sowie
künstlich nachgebildete Stimmen realer Personen – müssen eindeutig und
nachvollziehbar gekennzeichnet sein, sei es automatisiert oder durch
Nutzer:innen selbst.
- Faktenprüfung durch die Community: Plattformen sollen Community-Notes-
Systeme wie bei X/Twitter bereitstellen, um faktenbasierte Hinweise unter
problematischen Inhalten zu ermöglichen – dezentral, transparent und
nachvollziehbar.
- Meinungsvielfalt schützen: Politische Inhalte dürfen nicht durch
algorithmische Intransparenz unterdrückt oder aktiv gepusht werden.
Plattformen müssen in für Durchschnittsnutzer:innen verständlicher
Sprache erklären, wie Inhalte sortiert und gefiltert werden.
- Bildung gegen Filterblasen: Nur durch Medienbildung, kritisches Denken und
Algorithmuskompetenz können Nutzer:innen selbstbestimmt mit digitalen
Inhalten umgehen.
- Telegram in der europäischen Verantwortung: Telegram ist für
Oppositionelle und Aktivist:innen in autoritären Staaten oft ein
unverzichtbares Werkzeug für freie Kommunikation. Gleichzeitig entzieht
sich die Plattform in Europa regulatorischen Standards: Sie hat keine
Ansprechperson in der EU, ist intransparent bei der Datenverarbeitung und
wird zunehmend für Desinformation und Hass genutzt. Auch Telegram muss
europäische Regeln wie den DSA erfüllen – mit klaren Zuständigkeiten,
Meldepflichten und Transparenz, ohne die freie Kommunikation in
repressiven Staaten zu gefährden.
Freiheit braucht Sicherheit – auch im digitalen Raum. Doch echte Sicherheit
entsteht durch Bildung, Eigenverantwortung, Innovation und europäische
Kooperation – nicht durch Überwachung, Misstrauen oder Bürokratie.
Wir JUNOS stehen für eine digitale Zukunft in Freiheit ein. Für souveräne
Bürger:innen statt gläserner Menschen. Für Verantwortung statt Kontrolle.
Für Sicherheit durch Aufklärung – nicht durch Angst.
[7]https://www.oesterreich.gv.at/themen/egovernment_moderne_verwaltung/elektroni-
sche-identität-(eiD)-anderer-eu-mitgliedstaaten-(SDG).html
