| Veranstaltung: | XXXIII. Bundeskongress |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 12.3 Allgemeine Anträge |
| Antragsteller*in: | Paul Klesnar, Erik Baldassari, Johannes Denner, Florian Wolf, Tim Hartmann, Valentina Wimmer, Matthias Glöckl, Alexander Rupp, Pia Schwarz |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 24.06.2026, 23:59 |
A8: Schluss mit Realitätsverweigerung: Europäische Solidarität statt falsche Neutralität
Antragstext
Österreichs Verteidigungspolitik hat drängende Probleme in der
Landesverteidigung entweder jahrelang vernachlässigt oder schlichtweg ignoriert.
Wenn Debatten über die Landesverteidigung geführt wurden, dann meist nur im
Zusammenhang mit der Wehrpflicht - dabei zeigt die aktuelle geopolitische Lage,
dass Aspekte wie hybride Kriegsführung, Luftverteidigung und Zusammenarbeit in
der EU zentral für unsere Sicherheit sind. Diese drei Aspekte sollen in diesem
Antrag behandelt werden – ein Beitritt Österreichs in der NATO wird dabei nicht
beleuchtet.
1. Österreich ist bei der Verteidigung auf andere Staaten
angewiesen
Österreich ist laut Einschätzungen des Bundesheers nicht in der Lage, sich
allein nachhaltig gegen einen Angriff zu verteidigen – das militärstrategische
Konzept aus dem Jahr 2017 ist diesbezüglich sehr deutlich: Mit den bisherigen
finanziellen und personellen Ressourcen ist das ÖBH nur zu einer ersten, aber
nicht nachhaltigen Abwehr konventioneller Angriffe befähigt. Die finale Abwehr
inklusive der Wiederherstellung der staatlichen Souveränität von konventionellen
Angriffen ist nur durch das Eingreifen der internationalen Staatengemeinschaft
möglich.[1] Gleichzeitig wird Österreich bei keiner Gelegenheit müde zu betonen,
dass wir neutral sind und im Angriffsfall unsere EU-Partnerstaaten militärisch
nicht unterstützten werden – doch wer wird gewillt sein uns militärisch zu
helfen, wenn wir im Gegenzug nicht dieselbe Bereitschaft zeigen? Das ist ein
Problem – JUNOS fordert zurecht ein Ende der österreichischen Neutralität.[2]
2. Die aktuelle Bedrohungslage betrifft Österreich
unmittelbar
Im aktuellen Risikobild des Bundesheers schreibt Franz Stefan Gady davon, dass
im Falle eines Krieges zwischen Russland und der NATO auch Österreich zum Ziel
[…] von Angriffen mit Marschflugkörpern, ballistischen Raketen und Drohnen
werden würde, weil Österreich in einer strategisch wichtigen Lage ist.[3]
Gleichzeitig fehlt es uns in diesem Bereich an Fähigkeitslücken, vor allem bei
der Abwehr von Marschflugkörpern[4] – dabei sind diese Waffensysteme aufgrund
der aktuellen Lage im Iran knapp.[5]Das ist ein Problem.
Ebenso im Risikobild beschrieben: Österreich ist das Ziel hybrider Angriffe
Russlands[6], und wird im Ernstfall auch zum Ziel russischer
Sabotageaktionen.[7] Auch Cyberangriffe auf Österreich – etwa die
Energieinfrastruktur – sind nicht auszuschließen. Gleichzeitig hat JUNOS schon
vor Jahren gewarnt, dass Österreich als „Flugzeugträger“ russischer,
geheimdienstlicher Aktivitäten gilt, und dies endlich ein Ende haben muss.[8]Das
ist ein Problem.
3. Österreich kann enorme Verteidigungsaufwände nicht allein
stemmen
Obwohl das österreichische Verteidigungsbudget von knapp 2 Mrd. Euro im Jahr
2015 auf über 5 Mrd. Euro im Jahr 2026 gewachsen ist,[9] werden diese
Anstrengungen nicht ausreichen, damit Österreich allein verteidigungsfähig wird.
Der Grund ist simpel: Um auf einen Konflikt vorbereitet zu sein braucht es
vieles, von ausreichend Versorgungsgüter, Munition, Waffen, gut ausgebildeten
Reservisten, Zugang zu HighTech-Diensten wie Satellitenkommunikation und -
navigation, technische Expertise, Infrastruktur, und das alles auf einem Stand
der Technik, der mit den Innovationen, die der Ukrainekrieg aktuell
tragischerweise hervorbringt, mithalten zu können. Selbst für große Staaten wie
Deutschland, welche seit 2022 im Verteidigungsbereich große Anstrengungen
unternommen haben, ist es eine Mammutaufgabe, bis 2029 laut
Verteidigungsminister Boris Pistroius kriegstüchtig zu sein[10] – für kleine
Staaten wie Österreich, welche Skaleneffekte nicht ausnützen können und jeden
Euro im Budget umdrehen müssen, ist dies nochmals schwerer. Das ist ein Problem.
4. Österreich muss die Probleme im Verteidigungsbereich
endlich angehen
Eine Debatte, ob der Wehrdienst um ein, zwei oder drei Monate länger dauern
soll, kann Österreichs dringende Probleme im Umgang mit Neutralität, EU-
Beistandspflicht, der Ausrüstung des Bundesheers oder russischer Sabotage bei
weitem nicht lösen. Liberale Verteidigungspolitik bedeutet, unangenehme Debatten
nicht zu scheuen und nicht einfach die Versäumnisse der letzten Jahre an die
Jugend weiterzugeben. Für JUNOS ist klar: Wenn wir wirklich verteidigungsfähig
sein wollen, muss Österreich muss seine verteidigungspolitischen Hausübungen in
der EU und zuhause erledigen.
Österreich ist allein nicht in der Lage, sich für längere Zeit gegen einen
Angriff zu verteidigen. Die Bundesregierung muss sicherstellen, dass Österreich
im Kriegsfall zuverlässige Unterstützung und militärischen Beistand erhält. Aus
Sicht von JUNOS muss folgendes getan werden:
- Die Bundesregierung muss gegenüber der EU-Kommission und den EU-
Mitgliedsstaaten den eigenen Beitrag – wirtschaftlich, humanitär und
militärisch – im Fall eines Angriffs auf ein EU-Mitglied ausformulieren,
wie es die EU-Kommissionspräsidentin[11], der deutsche Bundeskanzler[12]
und zuletzt unsere Außenministerin[13] gefordert hat.
- „Österreichs Verteidigung beginnt an der EU-Außengrenze“ – die
Bundesregierung muss sich klar bekennen, dass im Fall der Aktivierung der
Solidaritätsklausel 42/7 durch einen EU-Mitgliedsstaat auch eine
militärische Unterstützung durch Österreich erfolgen kann, wenn dies
erbeten wird.
- Österreich muss aktiv an der Schaffung und Weiterentwicklung einer
Europäischen Verteidigungsunion mit anderen willigen Mitgliedsstaaten
beteiligt sein. Dies inkludiert unter anderem:- eine gemeinsamen Beschaffungsagentur,
- ein Prinzip der europäischen Präferenz bei Waffenkäufen,
- strukturelle Koordinierung und Interoperabilität beim Ausbau von
militärischen Fähigkeiten und - klare militärische Beistandsverpflichtungen – auch für neutrale
Mitgliedsstaaten (Solidarität vor Neutralität).
- Die Handlungsfähigkeit einer Europäischen Verteidigungsunion darf weder
durch verpflichtende Einstimmigkeit noch durch Neutralität eingeschränkt
werden.
- Ein Ende der Einzelfallprüfung[14] für jeden Militärtransport eines EU-
Landes durch Österreich – unser Land muss im Verteidigungsfall ein
zuverlässiges Transitland sein.
- Eine Änderung des Kriegsmaterialgesetzes: Der Export von Waffensystemen
oder deren Komponenten an kriegführende Staaten muss möglich sein, wenn es
sich dabei um einen EU-Staat handelt oder einen Staat, welcher von der EU
militärisch unterstützt wird, wie im Fall der Ukraine. Nur so kann
Österreich auch Teil eines europäischen Binnenmarkts für Verteidigung
werden.- Für Unternehmen aus der EU ist es unsicher, ob österreichische
Unternehmen im Konfliktfall kritische Komponenten liefern dürfen,
die für das Funktionieren ihrer Waffensysteme zentral sind. Durch
diese Unsicherheiten vermeiden andere Unternehmen die Zusammenarbeit
im Verteidigungsbereich mit Unternehmen in Österreich.
- Für Unternehmen aus der EU ist es unsicher, ob österreichische
- Was an kriegführende Staaten geliefert werden darf, und was nicht, ist oft
unklar – so beteiligt sich die Republik Österreich an gemeinsamen
Missionen und die Finanzierung von Entminung, gleichzeitig dürfen
heimische Unternehmen wie Schiebel jedoch entsprechendes Gerät nicht
liefern.[15]
- Die Prüfung von zusätzlichen Kooperationsmöglichkeiten mit anderen
europäischen Ländern in der Luftverteidigung durch die Bundesregierung. Da
das Bundesheer über Fähigkeitslücken in der Luftverteidigung verfügt, muss
die Bundesregierung prüfen, ob sich bei der Beschaffung von Waffensystemen
Synergien mit Nachbarstaaten (etwa mit der Schweiz[16]) oder andere
Möglichkeiten der gemeinsamen Luftverteidigung ergeben.
- Österreichs vollständiger Beitritt zu Sky Shield – auch bei operativen
Maßnahmen – damit das Bundesheer Teil eines gemeinsamen europäischen
Prozederes bei der Überwachung, Identifizierung und Abwehr von
Luftangriffen sein kann.
- Eine Verschärfung der Gesetze gegen Spionage sowie eine Ausweisung des
gesamten russischen technischen Botschaftspersonals, um die zunehmende
Spionage Russlands in Österreich[17] einen Riegel vorzuschieben. Dazu
gehört auch, dass Spionage zum Nachteil von Drittstaaten und
internationalen Organisationen strafbar sein muss.[18]
- Professionalisierung vorantreiben: Durch die Attraktivierung der
Einjährig-Freiwillig-Ausbildung sowie durch die Stärkung der Miliz mit
besserer Ausrüstung, mehr Übungen und klaren Anreizsystemen für den
Beitritt.
[2]JUNOS: Am Tisch statt auf der Speisekarte – NATO-Beitritt Österreichs für
Frieden und Sicherheit!, 27.10.2024
[4]News: Im Kriegsfall: Österreich ist nur bedingt einsatzbereit, 13.03.2025
[5]The Washington Post: Pentagon considers diverting Ukraine military aid to the
Middle East, 26.03.2026
[6]Der Standard: Rüstungschef: Österreich "in vier von fünf Domänen" bereits in
Russlands Ukrainekrieg involviert, 24.09.2025
[8]JUNOS: Schluss mit dem gallischen Dorf – Echte Unterstützung für die Ukraine,
08.08.2023
[9]Militär aktuell: Bundesheer: Budget wächst 2025 und 2026 weiter,14.05.2025
[10]Deutscher Bundestag: Boris Pistorius: Wir müssen bis 2029 kriegstüchtig
sein, 05.06.2024
[11]Handelsblatt: Von der Leyen stellt EU-Beistandsklausel in den Fokus,
14.02.2026
[12]Friedrich Merz: Unsere Freiheit behaupten wir mit unseren Nachbarn, 13.
Februar 2026; Zitat: „Wir müssen nun ausbuchstabieren, wie wir dies europäisch
organisieren wolle ‑ nicht als Ersatz für die NATO, sondern als einen
selbsttragenden, starken Pfeiler innerhalb des Bündnisses.“
[13]Die Presse: Was macht Österreich im EU-Kriegsfall? Meinl-Reisinger verlangt
Klärung, 17.02.2026
[14]OÖ Nachrichten: Bundesheer: Rund 5.000 Militärtransporte durch Österreich im
Jahr 2025, 25.01.2026
[15]Profil: Österreichs Dilemma: Minensuchdrohnen 'Made in Austria' dürfen nicht
in die Ukraine 10.07.2024
[16]Der Standard: Schweiz: Sozialdemokraten erwägen gemeinsame Luftwaffe mit
Österreich, 24.11.2025
[17]Wien.orf.at: Russland-Spionage an mehreren Standorten, 13. 03 2026

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