| Veranstaltung: | XIII. Mitgliederversammlung JUNOS Schüler:innen |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 16.3. Weitere Anträge |
| Antragsteller*in: | AG Berufsschulprogramm |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 11.07.2026, 12:49 |
A3: Ein neues Programm für zukunftsfitte Berufsschulen
Antragstext
Berufsschulen sind kein Abstellgleis – sie sind das Fundament unserer Zukunft.
Wer eine Lehre macht, übernimmt Verantwortung, arbeitet, schafft Wert und hält
unsere Gesellschaft am Laufen. Genau deshalb verdienen Berufsschüler:innen die
beste Ausbildung – nicht die zweitbeste.
Doch die Realität sieht anders aus: veraltete Strukturen, mangelnde Ausstattung,
zu wenig Mitsprache und ein System, das oft mehr verwaltet als gestaltet.
Während von Lehrlingen Leistung erwartet wird, bleibt die Schule selbst zu oft
hinter ihren Möglichkeiten zurück.
Wir stehen für Berufsschulen, die Freiheit ermöglichen, statt Chancen zu
begrenzen. Für Schulen, die Leistung fördern, Aufstieg ermöglichen und echte
Perspektiven schaffen. Für ein Bildungssystem, das Lehrlinge ernst nimmt – als
eigenständige, mündige Menschen.
Unser Ziel ist eine Berufsschule, die mehr Möglichkeiten für alle schafft, die
mehr erreichen wollen.
Denn wer arbeitet, lernt und Verantwortung übernimmt, hat das Recht auf die
bestmögliche Bildung.
Berufsschulen sollen Schüler:innen auf ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit
vorbereiten. Dazu gehört neben einer fundierten fachlichen Ausbildung auch eine
solide Allgemeinbildung.
Mit der Lehre mit Matura gibt es bereits ein starkes Modell, das genau das
ermöglichen soll. In der Praxis scheitert es jedoch oft an der Umsetzung:
mangelnde Koordination zwischen Schule und Maturakursen, fehlende
Vorbereitungsmöglichkeiten während der Schulzeit und unnötige organisatorische
Hürden erschweren vielen den Zugang.
Wir fordern die Einführung von freiwilligen Maturaklassen an allen
Berufsschulen. In diesen Klassen soll der Unterricht gezielt mit der
Maturavorbereitung verzahnt werden, um echte Aufstiegschancen zu schaffen.
Gleichzeitig braucht es endlich einen zeitgemäßen Englischunterricht. In einer
globalisierten Arbeitswelt ist Englisch keine Zusatzqualifikation mehr, sondern
eine Grundvoraussetzung. Berufsschüler:innen dürfen hier nicht benachteiligt
werden.
Wir fordern daher eine klare Aufwertung des Englischunterrichts an
Berufsschulen.
Aktuell spielt die politische Bildung an Berufsschulen leider eine zweitrangige
Rolle, und geht in den meisten Fällen ziemlich unter. Doch wer selbstbestimmte
Entscheidungen bei Wahlen treffen möchte, muss politisch mündig sein.
Wir fordern daher ein eigenes Fach “Politische Bildung” an allen
Berufsschulen.
Berufsschulen dürfen kein Plan B sein – sie müssen ein gleichwertiger
Bildungsweg mit echten Zukunftschancen sein. Wer eine Lehre macht, hat Anspruch
auf dieselbe Qualität in der Ausbildung wie Schüler:innen in anderen
Schulformen.
Dazu gehört auch eine zeitgemäße Ausstattung. Es ist nicht akzeptabel, dass
Berufsschüler:innen im Jahr 2026 teilweise noch immer ohne funktionierendes WLAN
und mit veralteter Infrastruktur lernen müssen.
Wir fordern daher eine moderne digitale Ausstattung an allen
österreichischen Berufsschulen, die zeitgemäßen Unterricht überhaupt erst
ermöglicht.
Gleichzeitig treffen an Berufsschulen Schüler:innen mit sehr unterschiedlichen
Voraussetzungen aufeinander. Das darf nicht ignoriert werden – ein einheitlicher
Unterricht wird diesen Unterschieden oft nicht gerecht.
Wir fordern daher differenzierte Unterrichtsmodelle, die sowohl gezielte
Förderung für leistungsschwächere Schüler:innen als auch ausreichende
Herausforderungen für leistungsstarke Schüler:innen sicherstellen.
Dies soll insbesondere für den Deutschunterricht gelten. Gute Kenntnisse
der deutschen Sprache sind Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche
Karriere, diese Chance müssen wir allen Schüler:innen bieten.
Guter Unterricht steht und fällt mit den Lehrkräften. Gerade an Berufsschulen
reicht fachliche Kompetenz allein jedoch nicht aus – entscheidend ist auch die
Fähigkeit, Wissen verständlich zu vermitteln.
Hier gibt es derzeit klare Defizite. Viele Lehrkräfte verfügen zwar über eine
solide fachliche Ausbildung, die pädagogische und didaktische Vorbereitung
bleibt jedoch oft unzureichend. Das wirkt sich direkt auf die
Unterrichtsqualität aus – und damit auf die Chancen der Schüler:innen. Es
braucht also einen stärkeren Fokus auf Pädagogik und Didaktik in der
Lehrer:innenausbildung.
Gleichzeitig braucht es regelmäßige fachliche Fortbildungen. Berufsschulen
dürfen nicht hinter der Realität der Arbeitswelt zurückbleiben – Lehrkräfte
müssen mit den Entwicklungen in ihren Branchen Schritt halten können.
Wir fordern einen deutlich stärkeren Fokus auf Pädagogik und Didaktik in
der Ausbildung von Berufsschullehrer:innen, um qualitativ hochwertigen
Unterricht sicherzustellen.
Wir fordern verbindliche und regelmäßige Fortbildungsangebote für
Lehrer:innen an Berufsschulen.
Schülervertretung ist kein lästiger Formalakt – sie ist ein zentraler
Bestandteil einer funktionierenden Schule. An vielen Berufsschulen wird sie
jedoch genau so behandelt: als Pflichtübung, die man möglichst schnell abhakt.
Wahlen werden nicht ordnungsgemäß durchgeführt, das Wahlrecht für die
Landesschüler:innenvertretung ist nicht nachvollziehbar, und im Schul- und
Berufsalltag wird auf das Engagement von Schüler:innenvertreter:innen oft kaum
Rücksicht genommen.
Wir wollen echte Mitbestimmung statt bloßer Symbolpolitik.
Wir fordern daher die Freistellung von Berufsschüler:innen von beruflichen
und schulischen Verpflichtungen für Tätigkeiten in der Schülervertretung.
Außerdem fordern wir die konsequente und ordnungsgemäße Durchführung von
SV-Wahlen an allen Berufsschulen.
Für uns ist klar: Die Landesschüler:innenvertretung muss direkt von allen
Schüler:innen gewählt werden. Bis dahin braucht es jedoch ein faires und
nachvollziehbares Wahlrecht für die Berufsschulen.
Wir fordern, dass künftig alle Schüler:innenvertreter:innen
stimmberechtigt sein sollen. Das schließt Tagessprecher:innen und deren
Stellvertreter:innen mit ein.
Die Zusammenarbeit zwischen Berufsschule und Lehrbetrieb ist zentral für eine
funktionierende Lehre – und genau hier versagt das System derzeit. Die
Koordination ist mangelhaft, der Informationsfluss bricht regelmäßig ab, und am
Ende werden Lehrlinge selbst zu Boten zwischen Schule und Betrieb gemacht.
Wer eine gute Ausbildung will, braucht ein System, das zusammenarbeitet – nicht
eines, in dem Verantwortung hin- und hergeschoben wird. Um den Austausch
nachhaltig zu verbessern, braucht es eine stärkere strukturelle Einbindung der
Lehrbetriebe in die Berufsschulen.
Wir fordern daher die Einrichtung einer eigenen Lehrbetriebsvereinigung
nach dem Vorbild des Elternvereins. Diese soll mit drei Mitgliedern im
Schulgemeinschaftsausschuss (SGA) vertreten sein.

Kommentare