| Veranstaltung: | Landeskongress Wien |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 14.c Allgemeine Anträge |
| Antragsteller*in: | Moritz Gabriel, Lian Schelkle, Simon Stelzer, Elena Hofer, Eleonore Praßl |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 12.06.2026, 18:56 |
A1: Mehr Schiene für Wien: Der Innenstadttunnel als Schlüssel zur Mobilität der Zukunft
Antragstext
Die bestehende S-Bahn Stammstrecke zwischen Wien Meidling und Wien Floridsdorf
ist seit Jahren an ihrer Kapazitätsgrenze. Bereits kleinere Störungen führen
regelmäßig zu Verspätungen und Ausfällen im gesamten Wiener und
ostösterreichischen Bahnnetz. Eine Ausweitung des Taktes, zusätzliche
Linienführungen oder eine spürbare Verbesserung der Zuverlässigkeit sind mit der
bestehenden Infrastruktur kaum mehr möglich. Gleichzeitig wächst Wien ebenso wie
das Umland stark, wodurch der Druck auf das Schnellbahnnetz weiter zunimmt. Ohne
grundlegende strukturelle Erweiterungen drohen langfristig Überlastungen,
Qualitätsverluste und der Stillstand wichtiger Angebotsausweitungen.
Derzeit können auf den nördlichen Zulaufstrecken je 14 bis 16 Züge pro Stunde
aus den Richtungen Stockerau, Mistelbach und Gänserndorf nach Wien geführt
werden. Die bestehende Stammstrecke erreicht jedoch bereits heute ihre
Kapazitätsgrenzen. Selbst nach der bereits laufenden Modernisierung (ETCS only)
wird sie maximal 24 Züge pro Stunde aufnehmen können. Damit liegt die Anzahl der
möglichen Züge deutlich über der künftig verfügbaren Infrastruktur.
Aus diesem Grund ist die Errichtung einer zusätzlichen leistungsfähigen Strecke
durch Wien dringend erforderlich. Die Situation verschärft sich zusätzlich durch
den Ausbau der Südbahn auf vier Gleise. Dadurch steigt die Zahl der Züge, die in
den Knoten Wien einfahren können, noch weiter an. Ohne eine zusätzliche
Durchfahrtsmöglichkeit können zahlreiche Züge zwar nach Wien einfahren, jedoch
nicht durch das Stadtgebiet weitergeführt werden. Dies führt zu betrieblichen
Engpässen und schränkt die Entwicklung eines leistungsstarken regionalen und
überregionalen Bahnverkehrs erheblich ein.
Auch im Nordwesten Wiens zeigt sich der strukturelle Mangel deutlich: Der Franz-
Josefs-Bahnhof ist bis heute nicht ausreichend in das zentrale Schnellbahnnetz
integriert. Dies führt zu überlasteten Verkehrsachsen im Osten der Stadt,
während westliche und nordwestliche Potenziale ungenutzt bleiben. Zudem entgehen
dem System zahlreiche Direktverbindungen, die besonders für Pendlerinnen und
Pendler aus dem Wiener Umland erhebliche Vorteile bringen würden.Internationale
Erfahrungen etwa in München, Zürich oder Paris belegen, dass zweite
Stammstrecken die Stabilität, Leistungsfähigkeit und Zukunftstauglichkeit
urbaner Schnellbahnsysteme entscheidend verbessern.
Eine zweite S-Bahn-Stammstrecke als Innenstadttunnel zwischen Wien Meidling und
dem Franz-Josefs-Bahnhof ist daher ein notwendiger Schritt. Sie würde:
- Kapazitätsengpässe nachhaltig beseitigen und Raum für weitere
Taktverdichtungen schaffen.
- Die Resilienz des Gesamtnetzes stärken, da Störungen künftig besser
abgefangen werden können.
- Neue Direktverbindungen durch die Innenstadt ermöglichen, die heute aus
Kapazitätsgründen nicht realisierbar sind.
- Den Franz-Josefs-Bahnhof als Verkehrsknoten im 9. Bezirk deutlich
aufwerten und die Belastung innerhalb des Wiener Bahnnetzes gleichmäßiger
verteilen.
- Eine starke Verkehrsverlagerung vom Auto auf den öffentlichen Verkehr
fördern, was ökologisch und verkehrspolitisch sinnvoll ist.
- Pendler:innen aus dem Wiener Umland erheblich entlasten, da umsteigefreie
und schnellere Direktverbindungen in die Innenstadt geschaffen
werden.
- Das U-Bahn-System insbesondere die überlastete U1 und U6 spürbar
entlasten, da ein Teil der heutigen Umsteige- und Durchfahrtsströme auf
das leistungsfähigere Schnellbahnsystem verlagert wird.
Die Planung, Finanzierung und Umsetzung einer zweiten S-Bahn-Stammstrecke ist
essenziell für die Stärkung des öffentlichen Verkehrs. Zudem sollen die Stadt
Wien, das BMIMI und die ÖBB-Infrastruktur AG zeitnah mit Vorstudien,
Trassenuntersuchungen und Kosten-Nutzen-Analysen beginnen und diese transparent
veröffentlichen. Nur eine solche strukturelle Erweiterung kann die Mobilität
Wiens langfristig, zukunftssicher und leistungsstark gestalten.

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