| Veranstaltung: | XXXIV. Bundeskongress |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 16.c. Allgemeine Anträge |
| Antragsteller*in: | Florian Parfuss |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 06.10.2026, 23:59 |
A13: MECFS & PAIS – Endstation Gesundheitssystem
Antragstext
Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatique Syndrom ist eine seit 1969
durch die WHO anerkannte neuro-immunologische Multisystemerkrankung.
Hauptsächlich (>75%) wird ME/CFS durch Infektionen wie EBV, Covid und diverse
bakterielle Erreger ausgelöst. Deswegen reiht sich ME/CFS auch zur Gruppe der
Post Akuten Infektiösen Syndrome (kurz PAIS) ein. Zu den PAIS zählen auch
Erkrankungen wie Post Covid, Borreliose und Post EBV.[1]
Nicht bei allen Betroffenen lässt sich ein infektiöser Auslöser nachweisen.
Berichtet werden auch Krankheitsbeginne nach Operationen, Unfällen, der Gabe von
Antibiotika oder erheblichen körperlichen bzw. emotionalen Belastungen. Ein
zeitliches Zusammentreffen belegt für sich allein jedoch keine Ursache.[2]
ME/CFS zeigt sich nicht nur als ausgeprägte Erschöpfung, die durch Erholung
nicht besser wird, sondern als Multisystemkomplex mit über 200 Symptomen.
Erschöpfung, Kopfschmerzen, Muskelschwäche, Brain Fog, Reizempfindlichkeit,
Synkopen, Depressionen und Bauchschmerzen sind nur eine kleine Auswahl. Im
Zentrum dieser Symptome steht die Post-Exertional Malaise (PEM): Bereits geringe
körperliche, kognitive oder emotionale Belastungen können zu einer oft verzögert
eintretenden und über Tage oder länger anhaltenden Verschlechterung der Symptome
führen. Wiederholte Überlastungen können dadurch einen Kreislauf aus Belastung,
Symptomverschlechterung und weiter sinkender Belastbarkeit erzeugen.[1]
Die Ätiologie und Krankheitsmechanismen sind bisher nicht final geklärt. Ein
Ansatz ist, dass ME/CFS durch ein überaktives Immunsystem ausgelöst wird und die
Mitochondrien, die Energiekraftwerke unserer Zellen, in ihrer Arbeit gestört
werden. Somit steht dem Körper nur eingeschränkt Energie bereit. Vergleichen
kann man das ein bisschen mit einem Auto mit leerem Tank: Es fährt nicht mehr,
der Blinker geht nicht und das Radio hat schon vor 20 km aufgehört zu spielen.
Leider steht bis heute kein gesicherter Biomarker oder eine Bildgebung für
ME/CFS fest, was die Diagnose erschwert und nur klinisch unter Einbeziehung von
Differenzialdiagnostik gestellt wird.[1]
Derzeit findet durch Sozialversicherungsträger und/oder das BMASGPK in
Österreich keine systematische Erhebung zur Anzahl an ME/CFS- und PAIS
betroffenen Personen statt.[3] Das ist vor allem für die Schaffung von
Versorgungsstrukturen und Forschungsbudgets problematisch, da der Bedarf nicht
beziffert wird.
2025 hat das Nationale Referenzzentrum für postvirale Syndrome der MedUni Wien
eine umfassende Übersicht erstellt und dazu internationale Literatur und
Erhebungen zusammengetragen. Geschätzt leben 0,8% der österreichischen
Bevölkerung mit ME/CFS. Das bedeutet auf die Bevölkerungsanzahl für das Jahr
2025 umgerechnet, dass in Österreich 73.600 Menschen an ME/CFS erkrankt sind.
Mit den restlichen PAIS-Erkrankungen kommen weitere 120.000 – 200.000 Patienten
hinzu. Vor allem durch die Covid-Pandemie sind die Zahlen explosiv
angestiegen.[4]
Wie katastrophal die Versorgungssituation in Österreich tatsächlich ist, zeigt
eine direkte Gegenüberstellung mit anderen schweren chronischen Erkrankungen wie
zum Beispiel Multipler Sklerose (MS).
Beide Erkrankungen können die Lebensqualität und gesellschaftliche Teilhabe
erheblich beeinträchtigen. Während es einige Medikamente für MS gibt und auch in
Österreich an der Krankheit geforscht wird, ist dies für ME/CFS & PAIS leider
kaum der Fall. Es gibt keine Medikamente, um ME/CFS & PAIS ursächlich zu
behandeln und kaum geförderte Forschung zur Krankheit. In ganz Österreich gibt
es 139 MS-Zentren, an die sich Patient:innen für Beratung und Behandlung wenden
können. 50 davon sind an österreichischen Kliniken angesiedelt.[6]
Für ME/CFS gibt es diese notwendigen Strukturen nicht. Mit Stand Oktober 2026
gibt es für die über 70.000 Betroffenen in Österreich genau zwei öffentliche
Ambulante Stellen: Im Tauern Klinikum und im Klinikum Oberwart. Weitere sind in
Wien, Graz und Innsbruck geplant. Gezielte stationäre Möglichkeiten der Pflege
und Behandlung gibt es keine. Dies spiegelt die akute, erniedrigende und
langwierige Situation in der sich ME/CFS & PAIS Patienten befinden wider.[7]
ME/CFS führt bei einem großen Teil der Betroffenen zu erheblichen
Einschränkungen im Alltag und in der Erwerbsfähigkeit. Das Nationale
Referenzzentrum fasst Studien dahingehend zusammen, dass etwa 60–65 % aller
Patienten nicht mehr arbeitsfähig sind.[4]
Rund 20% der Patient:innen sind so schwer betroffen, dass sie dauerhaft
bettgebunden und die Mehrheit des Tages liegend, in abgedunkelten und reizarmen
Räumen verbringen müssen. Licht, Geräusche, Gespräche oder bereits geringe
körperliche und geistige Aktivitäten können eine deutliche
Symptomverschlechterung (PEM) auslösen. Viele schwer Erkrankte sind daher
dauerhaft auf Unterstützung und Pflege durch Angehörige angewiesen.[4] [9]
Auch weniger schwer erkrankte Patient:innen sind häufig deutlich in ihrer
Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Viele können einer Erwerbstätigkeit nur
reduziert, mit angepassten Arbeitszeiten oder unter besonderen Rahmenbedingungen
nachgehen. Für einen relevanten Teil der Betroffenen bedeutet ME/CFS daher nicht
nur einen massiven Verlust an Lebensqualität, sondern auch den teilweisen oder
vollständigen Verlust der Erwerbsfähigkeit und der gesellschaftlichen
Teilhabe.[2]
Im Rahmen der npoStudentProjects der WU Wien bearbeiten Studierende
Fragestellungen von gemeinnützigen Organisationen aus der Praxis. Im
Wintersemester 2023/2024 beschäftigten sie sich, angestoßen von der
Österreichischen Gesellschaft für ME/CFS, unter anderem mit den
sozioökonomischen Kosten der Erkrankung.[10]
Das Studierendenprojekt schätzte mit einem Bottom-up-Ansatz jährliche
sozioökonomische Kosten von über 47.000 Euro pro Patient:in. Diese Schätzung
kann auch im internationalen Vergleich standhalten. Die Kosten sind vor allem
aufgrund der Schwere der chronischen Krankheit so hoch. Der größte Teil der
sozioökonomischen Kosten entsteht daher durch eine Reduktion oder den Verlust
des Einkommens – auch von pflegenden Angehörigen.[10]
Insgesamt kommen die WU-Studierenden so auf eine Schätzung von aktuell 2,57 Mrd
€ an sozioökonomischen Kosten, die durch ME/CFS jährlich in Österreich
entstehen.[10]
Für das Jahr 2024 wurde in Deutschland eine Studie zu den gesellschaftlichen
Gesamtkosten von Long Covid und ME/CFS von der ME/CFS Research Foundation mit
dem Unternehmen Risklayer veröffentlicht. Mit modellierten Daten und einem
Update für 2025 kommen die Forschenden auf 64,4 Milliarden Euro pro Jahr an
Kosten für Postinfektiöse Erkrankungen, wovon 30 Mrd Euro ausschließlich auf
ME/CFS entfallen. Für 2024 lagen die geschätzten Kosten noch bei 63,1 Milliarden
Euro.[11]
Auf Österreich umgerechnet bedeutet das etwa 6,5 Mrd Euro pro Jahr insgesamt
(inklusive Long Covid) sowie 3,2 Mrd Euro pro Jahr für ausschließlich ME/CFS
Erkrankte.
Beide Projekte zeigen eindeutig: Der Status Quo ohne Investitionen und
Behandlungsmöglichkeiten verursacht nicht nur massives Leid für die Betroffenen,
sondern auch enorme jährliche Kosten für die Gesellschaft.
Die Politik schläft - Nationaler Aktionsplan zu postakuten
Infektionssyndromen (PAIS)
Bereits seit 2021 finden unter den Begriffen „Long Covid“ und „Post Covid“ und
später unter „postvirale/postinfektiöse Erkrankungen“ auf gesundheitspolitischer
Ebene Arbeitsgruppen und Projekte statt, die auch ME/CFS umfassen. Die
Gesundheit Österreich GmbH hielt bereits 2022 und 2023 fest, dass für Österreich
keine ausreichenden Daten zur Zahl der Betroffenen vorliegen. Auch die
eingerichtete Arbeitsgruppe des Obersten Sanitätsrates zu postviralen und
postinfektiösen Erkrankungen betonte die Notwendigkeit, Daten zur Zahl der
ME/CFS- und PAIS-Betroffenen in Österreich zu erheben. Eine flächendeckende und
systematische Erfassung der Betroffenen fehlt jedoch weiterhin.[12]
Mit dem 2024 veröffentlichten Nationalen Aktionsplan zu postakuten
Infektionssyndromen (PAIS) liegt inzwischen sogar ein umfassender
gesundheitspolitischer Maßnahmenkatalog vor. Der unter Einbindung von
Ministerien, Bundesländern, Sozialversicherung, medizinischen
Fachgesellschaften, Betroffenenorganisationen sowie Expert:innen aus
Wissenschaft und Forschung erarbeitete Aktionsplan definiert acht zentrale
Handlungsfelder.[12]
Wir JUNOS möchten uns an die bereits definierten Handlungsfelder mit unseren
Forderungen anschließen:
Eine einheitliche Verwendung des Begriffes PAIS ist notwendig um eine
patientengerechte Diagnostik, ausreichende Versorgungplanung,
zukunftsorientierte Forschung und soziale Unterstützung zu gewährleisten.[12]
Deswegen fordern wir JUNOS auf Grundlage des Aktionsplans:
- Eine einheitliche Verwendung des Begriffes PAIS und eine einheitliche
Definition in Österreich und auf internationaler Ebene.
Wie in der Einleitung erwähnt, fehlt eine belastbare bevölkerungsweite
Datengrundlage zu ME/CFS- und PAIS-Erkrankten. Verlässliche Zahlen sind jedoch
die Grundlage für eine adäquate Versorgung und soziale Absicherung der
Erkrankten, notwendig für die Weiterbildung des medizinischen Personals und die
Information der Betroffenen und der Bevölkerung. Diagnosecodierung und
vorhandene Routinedaten müssen deshalb systematisch ausgewertet und durch
geeignete Erhebungen ergänzt werden.[3]
Deswegen fordern wir JUNOS auf Grundlage des Aktionsplans:
- Die Schaffung einer einfach zu administrierenden Erfassung von PAIS &
MECFS-Erkrankten, Bereitstellung von Daten der ÖGK, PV, AUVA, BVAEB, SVS
für Politik, Forschung und zur Schaffung von Versorgungsstrukturen.[12]
Zur Prävention von PAIS & ME/CFS gehören die Vermeidung von Infektionen und
Reinfektionen sowie eine frühe, niederschwellige Primärversorgung. Der
Aktionsplan verweist auf Hinweise, dass COVID-19 Impfungen das Risiko von Long
Covid reduzieren können. Bezüglich der Prävention nach der Infektion ist eine
frühe und niederschwellige Primärversorgung wichtig, um eine Chronifizierung zu
verringern oder gar zu vermeiden. Schließlich spielt auch die Prävention
weiteren Schadens – die Vermeidung unnötiger oder schädlicher medizinischer
Maßnahmen bzw. von Übermedikation – im Zusammenhang mit ME/CFS & PAIS eine
Rolle.[12]
Deswegen fordern wir JUNOS auf Grundlage des Aktionsplans:
- Verstärkte Aufklärung über Impfprophylaxe und Förderung von Impfprogrammen
sowie eine Förderung einer möglichst frühen Diagnosestellung in allen
relevanten Dimensionen. Die Vermeidung unnötiger oder falsch gerichteter
Diagnostik sowie Vermeidung schädlicher medizinischer Maßnahmen.
Betroffene von PAIS benötigen einen zeitgerechten, flächendeckenden,
niederschwelligen Zugang zu angemessener gesundheitlicher und sozialer
Versorgung. Sowohl ambulant als auch stationär. Derzeit steht die Versorgung,
wie bereits in der Einleitung beschrieben aus verschiedenen Gründen, nur
eingeschränkt oder gar nicht zur Verfügung. Für Betroffene herrscht allerdings
Zeitdruck, da sie unter erheblichem Leidensdruck stehen und bei fehlender
Behandlung das Risiko einer Chronifizierung steigt.[12]
Besonders prekär ist die Situation von schwer und schwerst an ME/CFS erkrankten
Menschen. Viele Betroffene sind dauerhaft haus- oder bettgebunden und können
aufgrund ihrer stark eingeschränkten Belastbarkeit reguläre Arzttermine oder
Ambulanzen kaum oder gar nicht aufsuchen. Bereits der Transport in eine
medizinische Einrichtung kann eine ausgeprägte Post-Exertional Malaise (PEM) und
damit eine länger anhaltende Verschlechterung des Gesundheitszustandes auslösen.
Notwendig sind flächendeckende Möglichkeiten für ärztliche Hausbesuche und
Telemedizin, mobile und ME/CFS-kompetente Pflegeangebote sowie spezialisierte
Versorgungsstrukturen für schwer Erkrankte.
Gleichzeitig müssen Krankenhäuser und Notaufnahmen für die besonderen
Bedürfnisse dieser Patient:innengruppe sensibilisiert werden. Bei notwendigen
stationären Aufenthalten braucht es reizreduzierte Unterbringungsmöglichkeiten,
eine möglichst geringe körperliche und kognitive Belastung sowie eine
konsequente Berücksichtigung von PEM.[9]
Deswegen fordern wir JUNOS auf Grundlage des Aktionsplans:
- Aufbau von dezentralen interdisziplinären und transprofessionellen
Behandlungseinrichtungen in der ambulanten Fachversorgung
- Schaffung von hochspezialisierten Versorgungseinheiten an
Universitätskliniken
- Aufbau einer auf schwer und schwerst an ME/CFS und PAIS erkrankte Menschen
abgestimmten Pflege und Versorgung durch Hausbesuche, Telemedizin und
mobile Pflege sowie verbindliche ME/CFS- und PAIS-Standards für
Krankenhäuser und Notaufnahmen.
- Für stationär behandlungsbedürftige Patient:innen müssen reizreduzierte
und PEM-gerechte Versorgungsmöglichkeiten geschaffen werden.
5. Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie Bewusstseinsbildung
ME/CFS ist in der medizinischen Ausbildung sowie in Fortbildungen in Österreich
bislang nur punktuell verankert. Dies betrifft bereits praktizierende Ärzte
sowie nachkommende Medizinstudenten, denn es fehlt eine flächendeckende,
standardisierte und verpflichtende Vermittlung von Diagnostik und
Krankheitsmanagement sowohl in Form von Fortbildungen und des Curriculums an der
Universität.[12]
Vermittlung von Diagnostik und Management betrifft auch die Information, Aus-
und Weiterbildung von Gutachter:innen, Institutionen und Behörden wie
Sozialversicherungen, Arbeitgeber:innen, Schulen und Jugendämtern sowie den
Betroffenen selbst und ihren (pflegenden oder betreuenden) An- und
Zugehörigen.[12]
Die Medizinische Universität Graz bietet 2026 erstmalig einen postgradualen
Universitätslehrgang zu Diagnostik und Therapie von postviralen Syndromen an.
Dies reicht bei weitem nicht für die österreichweit über 70.000 betroffenen
Patientinnen.[14]
Deswegen fordern wir JUNOS auf Grundlage des Aktionsplans:
- Förderung von gezielten Aus-, Fort- und Weiterbildungsangeboten für alle
relevanten Gesundheits- und Sozialberufe
- Ausweitung des Universitätslehrgangs der Meduni Graz auf alle öffentlichen
Medizinischen Universitäten und Aufnahme von ME/CFS in das Curriculum
ME/CFS & PAIS-Betroffene müssen bei Vorliegen der jeweiligen Voraussetzungen
verlässlich Zugang zu Pflegegeld, Rehabilitationsgeld sowie Berufs- und
Invaliditätspension erhalten. Gerade bei der Begutachtung durch die
österreichische Pensionsversicherung bestehen jedoch erhebliche Defizite. Eine
Recherche von DOSSIER, ORF und APA zu 124 Gutachten von ME/CFS- und Post-Covid-
Betroffenen zeigte, dass bei Berufsunfähigkeitsverfahren 83% als arbeitsfähig
eingestuft und bei Pflegegeldverfahren in 87% der Fälle kein ausreichender
Pflegebedarf festgestellt wurde. Medizinische Befunde wurden häufig nicht
ausreichend berücksichtigt; die für ME/CFS zentrale Post-Exertional Malaise
(PEM) wurde nur in wenigen Gutachten thematisiert. Gleichzeitig wurden
Betroffenen wiederholt psychiatrische Diagnosen, Übertreibung oder Simulation
zugeschrieben.[15]
Besonders problematisch ist daher die unzureichende krankheitsspezifische
Ausbildung von Gutachter:innen. Recherchen zu Schulungsunterlagen der
Österreichischen Akademie für ärztliche und pflegerische Begutachtung zeigen,
dass teilweise Inhalte verwendet wurden, die von Fachleuten als nicht dem
aktuellen wissenschaftlichen Stand entsprechend kritisiert wurden. Auch die
Volksanwaltschaft berichtet von Beschwerden über mangelndes Fachwissen, die
psychiatrische Einordnung von ME/CFS und Simulationsvorwürfe.[16] [17]
Deswegen fordern wir JUNOS auf Grundlage des Aktionsplans:
- Verpflichtende und regelmäßig aktualisierte ME/CFS-Schulungen für
Gutachter:innen der Pensionsversicherung und anderer
Sozialversicherungsträger sowie verbindliche, evidenzbasierte
Begutachtungsstandards. PEM, eingeschränkte Belastbarkeit und die
besonderen Bedürfnisse schwer Erkrankter müssen berücksichtigt werden.
- Begutachtungen sollen möglichst durch speziell qualifizierte
Sachverständige erfolgen und so gestaltet sein, dass sie keine
gesundheitliche Verschlechterung verursachen. Der Zugang zu
Sozialleistungen muss sich am tatsächlichen funktionellen Leistungs- und
Unterstützungsbedarf orientieren
- Überprüfung der Voraussetzungen für Unterstützungsangebote für pflegende
Angehörige
- PAIS & ME/CFS in alle Formen der Unterstützungsleistungen einbeziehen[12]
ME/CFS ist in der Erforschung eine der am wenigsten geförderten Erkrankungen. Im
Vergleich zur Krankheitslast und Lebensqualität der Betroffenen ist ME/CFS sogar
die am wenigsten geförderte Erkrankung in Bezug auf ihre Erforschung. Eine US-
amerikanische Analyse von 2020 schätzte, dass die damalige NIH-Förderung nur
rund 7 % eines anhand der Krankheitslast modellierten Vergleichswerts erreichte
– entsprechend einem etwa vierzehnfachen Förderbedarf.[18]
Deutschland kündigte im November 2025 eine Nationale Dekade gegen Postinfektiöse
Erkrankungen an. Nach dem Schreiben des Forschungsministeriums sind dafür
insgesamt 500 Millionen Euro für den Zeitraum 2026–2036 für biomedizinische
Forschung vorgesehen. Ein vergleichbar langfristig angelegtes österreichisches
Programm ist unser politisches Ziel.[19]
Deswegen fordern wir JUNOS auf Grundlage des Aktionsplans:
- Bereitstellung eines Forschungstopfes für biomedizinisches Forschung für
Biomarker und Medikamentenforschung ähnlich der deutschen Forschungsdekade
angepasst an das österreichische Wirtschaftsleistung.
Kinder und Jugendliche können im Zusammenhang mit gesundheitlichen Problemen
besondere Bedürfnisse und Bewältigungsstrategien aufweisen. Daher müssen die
verschiedenen Handlungsfelder, die für PAIS identifiziert wurden, für Kinder und
Jugendliche gesondert betrachtet werden. Auch die Lebenswelten von Kindern und
Jugendlichen sind andere als die von Erwachsenen.
Die Häufigkeit von PAIS und ME/CFS bei Kindern und Jugendlichen in Österreich
ist nicht ausreichend geklärt. Schwer betroffene Kinder und Jugendliche können
häufig nicht oder nur eingeschränkt in Schule oder Lehre zurückkehren.[12]
Darüber hinaus bietet der Bildungs- und Betreuungsbereich von Kindern und
Jugendlichen ein großes Potenzial zur Vermeidung von Infektionen und
Reinfektionen. Durch geeignete präventive Maßnahmen können Übertragungsrisiken
reduziert und damit auch das Risiko postinfektiöser Folgeerkrankungen wie ME/CFS
gesenkt werden.[12]
Deswegen fordern wir JUNOS auf Grundlage des Aktionsplans:
- Eine möglichst große Reduktion der Prävalenz von Infektionen durch
angemessene Maßnahmen auch im pädagogischen Bereich. Beispielsweise
Luftfilter, CO₂-Messgeräte, Lüftungskonzepte und niederschwellige
Testmöglichkeiten.
- Ermöglichung von telemedizinischen/teletherapeutischen Angeboten und
Ausweitung von Hausbesuchsangeboten auch für Kinder und Jugendliche
- Information und Schaffung von Unterstützungsmöglichkeiten für die gesamte
Familie, insbesondere auch für Geschwisterkinder, Erarbeitung und
Ermöglichung flexibler, individueller Lösungen[12]
Dabei ist längst bekannt, wo die Probleme liegen und welche Maßnahmen notwendig
wären. Einzelne Schritte wurden inzwischen gesetzt, eine konsequente,
ausreichend finanzierte und österreichweit einheitliche Umsetzung des
Aktionsplans steht jedoch weiterhin aus. Betroffene dürfen nicht weiterhin durch
die bestehenden Strukturen des österreichischen Gesundheits- und Sozialsystems
fallen. Nach Jahren der Problembeschreibung müssen aus Empfehlungen endlich
konkrete und messbare Maßnahmen erfolgen.[5]
Wir sind es diesen Patient:innen schuldig, die jahrzehntelange Vernachlässigung
aufzuholen.
[1]Hoffmann, K. et al. (2024): Interdisziplinäres, kollaboratives D-A-CH
Konsensus-Statement zur Diagnostik und Behandlung von Myalgischer
Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom. Wiener klinische Wochenschrift
136, Suppl. 5, S103–S123. DOI: 10.1007/s00508-024-02372-y.
https://doi.org/10.1007/s00508-024-02372-y
[2]Centers for Disease Control and Prevention (2024): Clinical Overview of
ME/CFS. 10.05.2024. https://www.cdc.gov/me-cfs/hcp/clinical-overview/index.html
[3]Zielsteuerung-Gesundheit (2026): Schlussbericht Arbeiten der Zielsteuerung-
Gesundheit zu PAIS. Version 03.06.2026 zur Vorlage an den Ständigen
Koordinierungsausschuss. https://www.gesundheit.gv.at/dam/jcr:63ae1ec8-5ddb-
487a-8dd1-59e8cd884ae5/Schlussbericht Arbeiten der Zielsteuerung-Gesundheit zu
PAIS vom 03.06.2026.pdf
[4]Nationales Referenzzentrum für postvirale Syndrome, MedUni Wien (2025):
Aktuelle Zahlengrundlage für spezialisierte ME/CFS-Behandlungsstellen in der
extramuralen Fachversorgung in den österreichischen Bundesländern. Fassung vom
14.05.2025.
https://www.meduniwien.ac.at/web/fileadmin/content/auftritte/referenzzentrum_pos-
tvirale_syndrome/pdf-
Dateien/2025_05.14_Aktuelle_Zahlengrundlage_MECFS_Behandlungsstelle_RZ.pdf
[5]Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und
Konsumentenschutz (2026): Postakute Infektionssyndrome (PAIS). Aktualisiert am
13.07.2026. https://www.sozialministerium.gv.at/Themen/Gesundheit/Nicht-
uebertragbare-Krankheiten/Postakute-Infektionssyndrome-(PAIS).html
[6]Österreichische Gesellschaft für Neurologie (o. J.): MS Zentren. Laufendes
Verzeichnis von Kliniken und Facharztordinationen.
https://www.oegn.at/mszentren/
[7]Tauernklinikum (o. J.): Anlaufstelle für ME/CFS–PAIS: Informationen für
Patient:innen. https://www.tauernklinikum.at/de/anlaufstelle-fuer-me-cfspais-
informationen-fuer-patient-innen.html
[8]Land Burgenland (2026): Neue ME/CFS-Ambulanz für Klinik Oberwart. Ankündigung
der Ambulanz ab Oktober 2026.
https://www.burgenland.at/politik/landesregierung/doskozil/aktuelles/detail/neue-
-me-cfs-ambulanz-fuer-klinik-oberwart/
[9]Centers for Disease Control and Prevention (2024): ME/CFS Clinical Care for
Severely Affected Patients. https://www.cdc.gov/me-cfs/hcp/clinical-care/me-cfs-
clinical-care-for-severely-affected-patients.html
[10]Österreichische Gesellschaft für ME/CFS (2024): Fehlende Versorgung von
ME/CFS kostet jährlich 2,57 Mrd. €. Pressemitteilung vom 05.03.2024 zum
npoStudentProject der WU Wien. Öffentlich zugängliche Ergebnisdarstellung der
auftraggebenden Organisation. https://mecfs.at/wp-
content/uploads/2024_03_PM_Kosten_MECFS.pdf
[11]ME/CFS Research Foundation und Risklayer (2026): Gesellschaftliche Kosten
durch Long COVID und ME/CFS steigen weiter – 64,4 Milliarden Euro allein in
2025. Pressemitteilung vom 27.04.2026 zum aktualisierten Kostenmodell, mit
Verweis auf Bericht und Datenmodell. https://mecfs-research.org/press/press-
releases/pm-costreport-long-covid-mecfs-2026/
[12]Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz
(Hrsg.) (2024): Aktionsplan zu postakuten Infektionssyndromen (PAIS). Wien.
https://broschuerenservice.sozialministerium.gv.at/Home/Download?attachmentName=-
Aktionsplan_zu_postakuten_Infektionssyndromen.pdf&publicationId=842
[13]Rechnungshof Österreich (2026): Versorgung von Personen mit postakuten
Infektionssyndromen. Reihe BUND 2026/3, veröffentlicht am 23.01.2026.
Prüfzeitraum im Wesentlichen 2019–2023, ergänzende Entwicklungen bis Anfang
2025. https://www.rechnungshof.gv.at/rh/home/home/2026_3_Versorgung-von-
Personen-mit-PAIS.pdf
[14]Medizinische Universität Graz (o. J.): Diagnostik und Therapie von
postviralen Syndromen. Universitätslehrgang, Postgraduate School.
https://postgraduate-school.medunigraz.at/diagnostik-pflege-therapie/postvirale-
syndrome
[15]Kapeller, E.; Datenauswertung: Hametner, M. (2025): Verdacht statt
Versorgung. DOSSIER, 08.05.2025; gemeinsame Recherche mit ORF und APA.
https://www.dossier.at/dossiers/mecfs/verdacht-statt-versorgung/
[16]Kapeller, E. (2026): Verordneter Zweifel. DOSSIER, 30.04.2026; gemeinsame
Recherche mit APA und ORF. https://www.dossier.at/dossiers/mecfs/verordneter-
zweifel/
[17]Volksanwaltschaft (2025): ME/CFS: Handlungsbedarf bei medizinischen
Anlaufstellen sowie PVA- und SMS-Gutachten. 08.05.2025.
https://volksanwaltschaft.gv.at/aktuelles/artikel/me-cfs-handlungsbedarf-bei-
medizinischen-anlaufstellen-sowie-pva-und-sms-gutachten/
[18]Mirin, A. A. (2020): NIH can no longer turn its back on Chronic Fatigue
Syndrome. Work 66(2), 365–366. DOI: 10.3233/WOR-203172. Autorenkommentar zur
Analyse von Mirin, Dimmock und Jason (2020), DOI: 10.3233/WOR-203173.
https://doi.org/10.3233/WOR-203172
[19]Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (2025): Nationale
Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen. Schreiben der Bundesministerin an die
Mitglieder der Fraktionen von CDU/CSU und SPD im Deutschen Bundestag,
14.11.2025. https://www.philipp-amthor.de/sites/www.philipp-amthor.de/files/lg-
bericht_2025-kw47_rundschreiben_longcovidndpe.pdf
[20]Kleine Zeitung, Am Uniklinikum Graz: ME/CFS-Ambulanz soll noch in diesem
Jahr starten, 05.10.2026. https://www.kleinezeitung.at/artikel/41316514/am-
uniklinikum-graz-me-cfs-ambulanz-soll-noch-in-diesem-jahr-starten

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