| Veranstaltung: | XXXIII. Bundeskongress |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 12.3 Allgemeine Anträge |
| Antragsteller*in: | Christoph Perner, Johannes Putthapong, Marvin Feigl, Philipp Gruber, Johannes Hubeny, David Schmid |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 24.06.2026, 23:59 |
A10: Respekt statt Gleichgültigkeit: Mehr Bürgerbewusstsein für ehrenamtliche Einsatzkräfte
Antragstext
In Österreich ist es gelebte Tradition, sich ehrenamtlich zu engagieren. Laut
dem vierten Freiwilligenbericht des BMSGPK erhob die Statistik Austria im Jahr
2022, dass knapp die Hälfte (49,4%) der Bevölkerung ab 15 Jahren in Österreich
Freiwilligentätigkeit leistet, d.s. rund 3,73 Mio. Personen. (Freiwilliges
Engagement in Österreich 2022, 2023)
Das Ehrenamt prägt die Kulturlandschaft und somit auch unser tägliches Leben. Im
Bereich der formellen freiwilligen Tätigkeit bei Einsatzorganisationen wie
Freiwillige Feuerwehr, Rettungsdienste und Bergrettung genießen diese auch ein
hohes Vertrauen der Zivilbevölkerung, was sich auch in der hohen Akzeptanz
dieser Organisationen widerspiegelt.
Ehrenamtliche verfügen über große Zivilcourage, Flexibilität, Zusammenhalt und
Hilfsbereitschaft und meistern in einem immer größer werdenden Ausmaß
(Österreichischer Bundesfeuerwehrverband, 2015) freiwillig übernommene Pflichten
neben Ausbildung, Beruf und Familie.
Die hohe Sozialkompetenz und das Miteinander, welches seit Generationen in den
Freiwilligenorganisationen gelebt werden, bringt Menschen unterschiedlichster
Herkunft und aus verschiedensten Gesellschaftsschichten zusammen. Geselligkeit
und Zusammenhalt werden im formellen als auch im informellen Bereich
hochgehalten. Dies wird beispielsweise bei Ausflügen und sportlichen Aktivitäten
gelebt. Vor allem bei den Einsatz- und Hilfsorganisationen ist dies von großer
wesentlich, um eine reibungslose zwischenmenschliche Zusammenarbeit bei den
Einsätzen zu gewährleisten.
Viele Bereiche unseres täglichen Umfeldes sind ohne ehrenamtliches Engagement
kaum oder gar nicht finanzierbar. Die Kosten einer vollkommenen Verberuflichung
ehrenamtlicher Tätigkeiten, allen voran in den Einsatzorganisationen, würde den
österreichischen Staatshaushalt vor immense finanzielle Herausforderungen
stellen und gleichzeitig würde viel Qualität und Menschennähe ohne
ehrenamtliches Engagement verloren gehen.
Ohne Ehrenamt gäbe keine schnelle Freiwillige Feuerwehr und auch keinen
flächendeckenden Rettungsdienst in gewohnter Qualität.
Katastrophen und deren Aufarbeitung würden sich um Wochen und Monate verlängern
bzw. immense Mehrkosten im Bundeshaushalt verursachen.
Menschen, die sich ehrenamtlich bei Einsatzorganisationen engagieren, sehen sich
immer mehr mit Gewalt konfrontiert. Sei es in Form von Beschimpfungen oder gar
durch Körperverletzungen. Hier auch konkrete Zahlen zur Gewalt aus einer Studie
(im Jahr 2012 veröffentlichte Studie aus Deutschland - NRW - zur Gewalt gegen
Rettungskräfte):
Jedes Jahr erleben 98% der Studienteilnehmer_innen verbale Gewalt.
- Fast 6 von 10 Teilnehmer_innen hatten zum Zeitpunkt der Studie auch im
Jahr davor physische Übergriffe erlebt.
- Freiwillige im Rettungswesen sehen Mängel bei der Schulung zum Umgang mit
Gewalt in ihrer Ausbildung. Regelmäßige Fortbildungsmaßnahmen werden von
den Teilnehmern der Studie gefordert. Diese könnten auch durch einen
sicheren rechtlichen Rahmen, der die besondere Schutzwürdigkeit von
ehrenamtlich Engagierten unterstreicht, ein sinnvolles Mittel gegen die
Gewalt sein. Für näheres siehe: https://www.unfallkasse-
nrw.de/fileadmin/server/download/PDF_2012/Gewalt_gegen_Rettungskraefte.pdf
Ein großes Problem stellen mittlerweile aber auch Schaulustige dar, welche die
Einsatzkräfte am Ort des Geschehens aus verschiedensten Motiven behindern und so
das Gefahrenpotenzial für Einsatzkräfte erhöhen. Uniform und Helferbonus sind
keine Garantie mehr, nicht selbst Opfer von Gewalt zu werden.
In der Bundespolitik wird in Reden gerne das Engagement im Ehrenamt gelobt, es
bleibt jedoch meist ein Lippenbekenntnis. Konkrete Forderungen der
Einsatzorganisationen werden dagegen selten gehört oder gar umgesetzt. Gerade
Einsatzorganisationen müssen stets schnell auf neue Umstände wie den Klimawandel
oder demografische Entwicklungen reagieren.
Längerfristige Planungen, auf zehn oder zwanzig Jahre, sind dagegen schwer
möglich, da sich Katastrophen (wie zum Beispiel Hochwasser, Starkregen,
Trockenheit, Schneechaos) mehrmals im Jahr wetterbedingt ereignen. Und nicht
zuletzt sorgte auch die SARS-Covid-19-Pandemie für erhebliche Belastungen für
die Einsatzorganisationen, vor allem bei der Bindung von Ehrenamtlichen. (Siehe:
https://www.parlament.gv.at/fachinfos/rlw/Herausforderungen-bei-der-Foerderung-
ehrenamtlicher-Taetigkeiten)
Technik sowie Geräte, welche man heute beschafft, können in wenigen Jahren
veraltet sein. Hier bedarf es einer Förderpolitik, welche zeitnah auf die
Anforderungen des Einsatzalltags reagiert, womit es dann ermöglicht wird, sich
effizient für künftige Herausforderungen zu rüsten.
Der Bundeskongress der JUNOS - Junge liberale NEOS möge daher beschließen:
Wir setzen uns für einen besseren Schutz, eine höhere Anerkennung, eine
zielgerichtetere Förderung und langfristige Maßnahmen für den Erhalt der
ehrenamtlich fundierten Einsatzorganisationen ein. Dies soll passieren durch:
- Regelmäßige Studien zur Gewalt gegen Einsatzkräfte auch in Österreich (für
Vergleichbarkeit & Evaluation von Maßnahmen). Einerseits legislativ zum
besonderen Schutz der Schlagkraft von Einsatzorganisationen (s. unten) und
weitreichende Fortbildungsangebote für Ehrenamtliche in
Einsatzorganisationen für Deeskalation und Konfliktmanagement.
- Erweiterung des Strafgesetzbuches um eine Zusatzziffer § 126. StGB
(Schwere Sachbeschädigung) bei Beschädigung, Vandalismus oder
Brandstiftung an der Infrastruktur.
Neu: “ (3) Wer mutwillig durch die Tat an der Sache, dessen Folge die
unwiederbringliche Inbetriebnahme von einzelnen Einrichtungen und Gerätschaften,
die dem Zweck der Gefahrenabwehr oder Erhaltung menschlichen Lebens dienen,
herbeiführt, ist mit einer Freiheitsstrafe mindestens sechs Monaten bis zu fünf
Jahren zu bestrafen.”
- Pensionsreform mit Anrechnung auf ehrenamtliche Arbeit. Ähnlich dem
Vorbild aus Deutschland (Ehrenamt: Ihr Einsatz kann sich lohnen, 2026)
soll sich auch in Österreich ehrenamtliches Engagement in der Pension
bemerkbar machen. Denn wie oben dargestellt, sind es meist jüngere
Bürger:innen, die sich einbringen und so im späteren Leben auch davon
selbst profitieren.
- Entwicklung einer gemeinsamen Info-Kampagne des Innenministeriums mit dem
Bundesverband Rettungsdienst, Bergrettungsdienst, Zivilschutzverband
Österreich, Polizei und den Medien des ORF nach dem Vorbild aus
Deutschland. Ziel der Kampagne ist es, Interessierte zu motivieren und
Gewalt gegen Einsatzkräfte zu sensibilisieren. Siehe
beispielsweise:https://www.mehr-respekt.de/ Die Förderung des Ehrenamts
darf und kann nicht allein die Aufgabe der Freiwilligenorganisationen
selbst sein. Die ehrenamtlichen Einsatzorganisationen handeln im
Allgemeininteresse und daher ist die Förderung des Ehrenamts -
insbesondere die Motivierung und die Werbung für ehrenamtliches Engagement
- eine (teil-) staatliche Aufgabe.
- Ausbau/Stärkung der Stellen zur Stressbewältigung und traumatischen
Erlebnissen nach Einsätzen. Dem jetzt Großteils ehrenamtlich gestützten
System soll zur Verkürzung von Wartezeiten und besserer Bedarfsdeckung mit
Möglichkeiten von staatlicher Seite geholfen werden.
- Bekämfpung der Nachwuchssorgen. Um bei der Mitgliedergewinnung zu
unterstützen, soll zum einen ein Besuch einer Organisation des Feuerwehr-
und Rettungswesens sowie Katastrophenschutzes in den Unterrichtsplänen der
Länder verankert werden, weiters treten wir für die Etablierung regionaler
Strukturen (z. B. Ferienprogramme von Gemeinden ein), welche die Arbeit
von freiwilligen Blaulichtorganisationen für Kinder & Jugendliche
veranschaulichen und erlebbar machen.
- Vergünstigungen für Ehrenamtliche bei Nachweis der Tätigkeit durch
Dienstausweise o. ä. (z.B. vergünstigte Eintritte in Kommunalbetrieben wie
Freibäder, Ermäßigung Klimaticket, Museen und Kulturstätten)
https://www.sozialministerium.gv.at/Themen/Soziales/Soziale-Themen/Freiwilliges-
Engagement.html, abgerufen am 21.06.2025
https://www.bundesfeuerwehrverband.at/2015/08/13/global-2000-wird-feuerwehr-zur-
klimawehr/, abgerufen am 21.06.2025
https://www.bmi.bund.de/DE/themen/demokratie-gesellschaft/mehr-respekt/mehr-
respekt-node.html abgerufen am 21.06.2025
https://www.deutsche-
rentenversicherung.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/national/ehrenamt_ihr_-
einsatz_kann_sich_lohnen.html, abgerufen am 21.06.2025

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