| Veranstaltung: | XII. Mitgliederversammlung JUNOS Schüler:innen |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 13.3. Weitere Anträge |
| Antragsteller*in: | AG Faire Notenvergabe |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 02.05.2026, 10:07 |
A2: Gerechte Chancen durch gerechte Noten
Antragstext
Schulen sind die zentralen Orte unserer Jugend, an denen wir uns entwickeln. Wir
entwickeln neue Fähigkeiten, trainieren unsere Hirne und bereiten uns vor auf
unsere Zukunft. Die von uns investierte Arbeit soll sich am Ende des Tages auch
lohnen und messbar sein. Genau deshalb sprechen wir JUNOS Schüler:innen uns
klar für die Beibehaltung von Ziffernnoten aus.
Gleichzeitig wäre es aber fahrlässig die realen Probleme der aktuellen
Benotung zu ignorieren. Zu oft hängt die Benotung noch vom persönlichen
Verhältnis zwischen Lehrkraft und Schüler:in ab, zu oft beeinflussen
Vorurteile die Bewertung und zu oft sind die Zahlen, die am Ende des Jahres im
Zeugnisbogen stehen für viele Schüler:innen unverständlich.
Eine aktive Feedback-Kultur lebt von gegenseitigem Vertrauen zwischen
Lehrer:innen und Schüler:innen. Genau hier scheitert es jedoch in vielen
Fällen derzeit, da Noten oftmals nach sehr unklaren Kriterien vergeben werden.
Hier wollen wir JUNOS Schüler:innen ansetzen. Noten sollen künftig mithilfe
von transparenten und klar kommunizierten Bewertungsrastern ermittelt werden.
Wir sprechen uns daher dafür aus, dass die Fachgruppen der Lehrerkollegien an
den Schulen autonom eigene Bewertungsraster entwickeln, in welchen verschiedene
Kriterien und Leistungserhebungen aufgelistet und gewertet werden. Diese Raster
sollen für Schüler:innen jederzeit zum Beispiel online einsehbar sein, damit
immer klar ist, wie sich die eigenen Leistungen entwickeln. Außerdem sollen in
diesem Raster auch die Anzahl an Leistungsüberprüfung festgelegt werden.
Viel zu oft fließt die persönliche Beziehung zwischen Lehrer:innen und ihren
Schüler:innen mit ein in die Bewertung. Das zu verbieten ist jedoch keine
Lösung, da es schlichtweg unmöglich ist jegliche Emotion aus Lehrer:innen
herauszunehmen. Doch es können die Rahmenbedingungen für eine gerechtere
Benotung geschaffen werden. Wir wollen daher, dass künftig schriftliche
Leistungserhebungen ausschließlich digital und mit Nummern anonymisiert
stattfinden. Als Beispiel hierfür dienen zum Beispiel Matrikelnummern an
Universitäten.
Gleichzeitig ist aber auch klar, dass nicht jede Leistung anonymisiert bewertet
werden kann. Während dies bei schriftlichen Leistungserhebungen relativ einfach
umsetzbar ist, ist eine Anonymisierung mündlicher Leistungen schier unmöglich.
Des Weiteren sehen wir JUNOS Schüler:innen aktuell das Problem, dass
extravertierte Personen bei mündlichen Leistungen trotz gleicher Leistung und
gleichem Wissensstand besser abschneiden, nur aufgrund der Art und Weise, wie
solche Leistungen vermittelt werden.
Wir sprechen uns daher klar dafür aus, Praxisarbeiten anstelle von klassischer
mündlicher Mitarbeit im Unterricht oder Hausübungen mehr Raum zu geben, damit
das tatsächliche Verständnis und die Kreativität von Schüler:innen gefordert
werden. So können auch diejenigen zum Zug kommen, welche aufgrund verschiedener
Umstände vielleicht Probleme damit haben ihre Leistungen im Rampenlicht der
Klasse zu präsentieren.
Wer willig ist sich zu verbessern, braucht mehr als reine Ziffernnoten. Deshalb
fordern wir JUNOS Schüler:innen zusätzlich zum Zeugnisbogen einen
ausführlichen Feedbackbogen.
Besonders wichtig ist hierbei zu erwähnen, dass durch zusätzliches Feedback
die Belastung für Lehrer:innen nicht steigen darf. Daher muss einerseits die
bürokratische Last für Lehrkräfte massiv abgebaut werden, und andererseits
sollten neue digitale Tools effektiv genutzt werden, um Standardarbeiten zu
erledigen. An dieser Stelle verweisen wir auf den Antrag „Schule neu denken -
Mit liberaler Bildungspolitik zu einem selbstbestimmten Lernen“.
Aus dem Expertinnengespräch mit Mag. Julia Steurer, einer AHS-Lehrerin aus dem
Burgenland, ist hervorgegangen, dass anonymisierte und objektive
Beurteilungsmethoden derzeit kaum in der Lehrer:innenausbildung behandelt
werden. Doch genau hier muss man ansetzen: Junge Lehrkräfte müssen schon am
Anfang ihrer Karriere darauf sensibilisiert werden, wie man mit unumgänglichen
persönlichen Befindlichkeiten in der Beurteilung umgeht. Ansonsten würden
schon früh Muster erlernt werden, die man später nur mehr unter massiven
Anstrengungen ausbessern könnte.
Durch die so geschaffene transparente und gerechte Datengrundlage wollen wir
auch den Wettbewerb zwischen den Schulen ankurbeln, und diese dazu motivieren,
ihre Schulgestaltung ständig weiter zu verbessern. Daher fordern wir JUNOS
Schüler:innen, dass die Ergebnisse der Zentralmatura sowie einer möglichen
Mittleren Reife veröffentlicht werden. Somit sollen Schüler:innen und deren
Erziehungsberechtigte bei der Schulwahl unterstützt werden, um die
bestmögliche Ausbildung zu ermöglichen.
Für uns JUNOS Schüler:innen ist klar: Wir wollen eine Schule, in der jede:r
dazu befähigt wird, Bestleistungen zu erbringen. Wer sich entwickelt, soll das
auch selbst bemerken und dafür belohnt werden. Doch Grundlage dafür ist eine
gerechte Benotung, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Elternhaus oder
Sprachorgan. Es wird Zeit, das umzusetzen – Zeit, für echte Gerechtigkeit!

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