| Veranstaltung: | Landeskongress Wien |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 14.b Leitantrag des Landesvorstands |
| Antragsteller*in: | Lisa Ficzko, Daniel Höllmüller, Simon Kern, Valentin Wiesinger, Maja Skrybus, Louis Oberhammer, Alina Schlenz, Elias Prackwieser, Anaelm Ginthör Weinwurm |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 15.06.2026, 20:16 |
LA 1: Stadt der jungen Familien
Antragstext
Wien ist eine der lebenswertesten Städte der Welt, deren Lebensqualität nicht
von selbst entsteht: Sie braucht geschickte politische Entscheidungen und
Menschen, die hier leben, arbeiten, investieren und gestalten. Junge Familien
sind dabei eine Gruppe, deren Bedeutung für die Stadtentwicklung oft
unterschätzt wird.
Wachstum und Innovation entstehen dort, wo gut ausgebildete, engagierte Menschen
auf engem Raum zusammenkommen, Ideen austauschen und Netzwerke bilden. [1] Dabei
muss eine Stadt besonders für jene kreativen und klugen Köpfe attraktiv sein,
die ihre Ausbildung abgeschlossen haben und durch ihren Fleiß und kreative Ideen
einen großen Mehrwert für die Wirtschaft bedeuten können. Da diese jungen
Menschen ebenso in einem Alter sind, wo viele eine Familie gründen möchten, ist
es unabdingbar, beide Wünsche in Wien zu ermöglichen. Kurze Wege zwischen
Wohnort und Arbeitsplatz, leistbarer Wohnraum, gute Bildungseinrichtungen,
Sicherheit im öffentlichen Raum und ein familienfreundliches Umfeld sind nicht
nur von sozialpolitischer Relevanz, sondern ebenso ein handfester
Standortvorteil. Für Wachstum und Wohlstand, und eine kontinuierliche
Verbesserung der Lebensqualität muss Wien besonders für junge Familien attraktiv
sein.
Die Wahl des Wohnorts beginnt bei Verfügbarkeit und Preis von qualitativ
hochwertigem Wohnraum. Im Sinne von Wachstum und Innovation, wie auch der
Vereinfachung des bereits komplexen Lebens junger Eltern ist es uns ein
Anliegen, geeigneten Wohnraum für diese Gruppe in guten Lagen in Wien zu
ermöglichen.
Dabei sehen wir jedoch die Aufgabe der Stadt Wien primär nicht darin, diesen
Wohnraum direkt bereitzustellen, sondern vielmehr die Aktivität privater Akteure
nicht zu verunmöglichen. Preise am Wohnungsmarkt ergeben sich aus dem Verhältnis
zwischen Angebot und Nachfrage. Als Stadt mit hoher Lebensqualität und guten
Arbeitsplätzen ist die Nachfrage nach Wohnraum in Wien hoch, und steigend; dem
muss mit einer Erweiterung des Angebots entgegengekommen werden.
In diesem Kontext begrüßen wir die Vereinfachung von Bauverfahren, der
Ermöglichung von Nachverdichtung (z.B. Dachgeschoßausbau), wie auch die
Abschaffung der Stellplatzverpflichtung. Auch sehen wir in der Anbindung durch
den öffentlichen Verkehr von neu erschlossenen Wohnarealen, wie etwa jenem in
der Seestadt, eine gelungene effektive Ausbreitung des attraktiven Wohnraums,
und sehen darin einen effektiven Hebel, um das Wohnangebot zu erhöhen, ohne
selbst als Bauträger aktiv zu werden. [2]
Weiters begrüßen wir den Trend der letzten Jahrzehnte, weg vom klassischen
Gemeindebau hin zu Genossenschaftswohnungen. Dabei unterstützen wir die
Möglichkeit des Mietkaufes, um es jungen Familien zu ermöglichen, Eigentum
aufzubauen und mittelfristig seinen Wohnraum besitzen zu können. Dabei sollte
ein Teil der gezahlten Mietkosten einem späteren Kauf zum Marktpreis
gegengerechnet werden können, genauso wie die Mitnahme dieses Rabatts bei
Wohnungswechsel innerhalb des Angebots des Bauträgers. [2]
Auch unterstützen wir bei der Wohnungsvergabe im Gemeindebau eine Priorisierung
junger Familien. Sofern beide Elternteile im Jahr vor Beginn der Karenz
zumindest 6 Monate lang vollzeitbeschäftigt waren, sollten diese Priorität bei
der Vergabe von Gemeindebauwohnungen erhalten. Damit wird man nicht nur den
geänderten Lebensbedingungen gerecht, sondern ermöglicht auch die Wahl der
Wohnung in der für die Entwicklung des Kindes geeignetsten Umgebung.
Die Bereitstellung guter und ausreichender Kindergartenplätze, eine der
Hauptkompetenzen der Stadt Wien, muss zu jeder Zeit gewährleistet sein. Dabei
müssen Kosten und Qualität stets überprüft und transparent dargelegt werden, um
eine effiziente Nutzung der Mittel im Sinne der optimalen Kindesentwicklung zu
garantieren. Um den Missbrauch von Fördermitteln zu verhindern, sind Kontrollen
zu intensivieren, und bei Betrug harte Konsequenzen bis zur Schließung des
Kindergartens unverzüglich anzuwenden.
Als Liberale begrüßen wir Wettbewerb, um mit begrenzten Mitteln die beste
Elementarbildung anbieten zu können. Diesbezüglich fordern wir eine Angleichung
der Förderkosten zwischen städtischen und privaten Kindergärten bei Kindern ohne
erhöhtem Unterstützungsbedarf. Weiters möchte wir besonders gute Kindergarten
mit kleinen Bonuszahlungen, direkt an das Personal belohnen. Dabei sollten die
Anmeldungen in Relation zu verfügbaren Plätzen, wie auch deren Entwicklung
berücksichtigt werden, um die 10 besten Kindergärten mit besonders guter
Leistung und Entwicklung zu ermitteln und zu belohnen.
Auch sind gute Schulen ein Hauptkriterium, nach dem junge Eltern ihren Wohn- und
Arbeitsort wählen. In diesem Kontext erneuern wir unsere Forderung, dass
Integration nicht auf dem Rücken der Kinder geschehen darf. Wir sprechen uns
klar gegen eine forcierte Verteilung von SchülerInnen nach ihrer Herkunft oder
Deutschkenntnissen aus, und unterstützen die Möglichkeit von Schulen, bei mehr
Anmeldungen als verfügbaren Plätzen nach selbst ausgewählten Aufnahmekriterien
über die Aufnahme zu entscheiden. [3]
Wenn sich Kinder ohne Eltern im öffentlichen Raum bewegen können, selbstständig
zur Schule oder zum Sport kommen können, bedeutet dies sowohl eine massive
Erleichterung für Eltern, wie auch eine wichtige Möglichkeit für Kinder,
Selbstständigkeit zu erlernen. Dementsprechend ist der Sicherheit im
öffentlichen Raum, wie auch der Verfügbarkeit eines qualitativ hochwertigen
Nahverkehrs höchste Wichtigkeit beizumessen.
Der öffentliche Nahverkehr ist einer der wichtigsten Faktoren für die hohe
Lebensqualität Wiens. Wir unterstützen den weiteren Ausbau, und die Wahrung
bestehender Verbindungen. Weiters unterstützen wir das derzeitige Tarifmodell
für Kinder und Jugendliche, welches es ihnen ermöglicht, sich kostengünstig in
der Stadt zu bewegen. Gleichzeitig lehnen wir Gratis Öffis für alle ab, da hier
knappe Ressourcen ohne Treffsicherheit vergeben werden würden, was zu fehlenden
Ressourcen anderswo, etwa im Ausbau des Netzes, führen würde. Auch ist Wien eine
der sichersten Großstädte Europas; ein Zustand, der gewahrt bleiben soll.
Das kulturelle Angebot für Kinder, ob mit gratis Museumseintritten, zugänglichen
und interaktiven Ausstellungen, Theater und Konzerten zum Mitmachen, oder von
der Stadt Wien organisierten Events wie dem Christkindlmarkt am Rathausplatz
oder dem Ferienspiel, ist großartig. Auch hier gilt – weiter so!
Jedoch sehen wir beim Sportangebot große Lücken. Kinder früh an Sport und
Bewegung heranzuführen ist für deren Entwicklung von großer Bedeutung, und ein
frühes Investment in ein langes, gesundes Leben. Wir fordern einen Ausbau der
Sportstätten, unter anderem durch mehr Fußballplätze im zentralen Stadtgebiet,
den Bau einer weiteren Mehrzweck-Sporthalle, wie auch eines weiteren Hallenbades
für den Breitensport. Bestehende Sportstätten dürfen unter keinen Umständen
abgetragen werden – auch nicht, um Wohnraum zu schaffen. Konkret sprechen wir
uns hiermit auch für das weitere Bestehen des Postsportplatzes im 17.
Gemeindebezirk aus.
Ein Leben mit jungen Kindern, zwischen Kindergarten und Schule, Arztbesuchen,
Geburtstagsfeiern, Freizeitaktivitäten und allem, was sonst unangekündigt zu
bewerkstelligen ist, ist oftmals stressig. Gerade deshalb ist es wichtig,
Flexibilität in vielerlei Hinsicht zu ermöglichen.
In diesem Kontext erneuern wir unsere langjährige Forderung nach flexiblen
Ladenöffnungszeiten, besonders am Sonntag. [4] Den Wocheneinkauf auch am Sonntag
machen zu können, oder neue Schuhe, die das Kind plötzlich dringend braucht,
auch später am Abend oder am Sonntag kaufen zu können, bedeutet eine massive
Vereinfachung der oft dichten Zeitpläne junger Eltern – besonders, wenn diese
auch arbeiten.
Kinderbetreuung ist immer noch eine Aufgabe, die oft von Frauen übernommen wird.
Um ihnen, aber natürlich auch Männern, nach der Karenz den Wiedereinstieg in das
Berufsleben zu vereinfachen braucht es entbürokratisierte Zugänge zu
Weiterbildungs- und Umschulungsprogrammen. Ebenso möchten wir die Vereinbarkeit
von Beruf und Kindern verbessern – durch den Ausbau flexibler
Kinderbetreuungsmöglichkeiten, u.a. durch flexiblere Öffunungszeiten. [5]
Auch fordern wir ein Ende der derzeitigen Situation, Kinder bereits um 12 Uhr
mittags vom Kindergarten abholen zu müssen, wenn man mit einem Neugeborenen in
Karenz ist. Einerseits stellt dies eine unnötige Komplikation im bereits sehr
stressigen Alltag von jungen Eltern dar. Andererseits ist es auch für die
Entwicklung der Kinder im Kindergartenalter nicht zuträglich, am Nachmittag
nicht mit den anderen Kindern im Kindergarten spielen zu können. Während diese
Regelung nur bei Ressourcenmangel Anwendung findet, ist sie durch fehlende
Mittel mittlerweile zur Norm geworden. [6] Daher fordern wir eine gezielte
Aufstockung von Ressourcen, um diesen Missstand auszubessern.
[1] Glaeser, Edward | 2011 | Triumph of the city: How Our Greatest Invention
Makes Us Richer, Smarter, Greener, Healthier, and Happier
[2] Liberale Wohnbaupolitik statt sozialistischer Träumerei, beschlossen am
Landeskongress am 09.07.2022
[3] Das Bildungsversprechen wahren, beschlossen am Landeskongress am 29.11.2025
[4] Wien 2030, beschlossen am Landeskongress am 08.03.2025
[5] Selbst ist die Frau, beschlossen am Landeskongress am 29.11.2015
[6] Der Falter | 23.01.2026 | Kindergarten / Wien macht aus dem Notfall eine
Regel

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