| Veranstaltung: | Landeskongress Tirol |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 8.b. Weitere Anträge |
| Antragsteller*in: | Felix Rovagnati & Rafael Fiechter |
| Status: | Modifiziert |
| Eingereicht: | 21.06.2026, 09:59 |
A7: Tirol muss Fortschritt wollen - Vom Abschottungsreflex zum Innovationsstandort von Weltrang
Antragstext
Tirol muss Fortschritt wollen - Vom Abschottungsreflex zum Innovationsstandort
von Weltrang
Es gibt eine Frage, der dieses Land seit Jahren ausweicht. Nicht, weil sie zu
schwer wäre, sondern weil die ehrliche Antwort unbequem ist. Die Frage lautet:
Wollen wir den Fortschritt überhaupt?
Man würde meinen, die Antwort sei selbstverständlich ja. Doch wer der Tiroler
Politik der letzten Jahre zuhört, hört etwas anderes. Er hört Sorge, wo Stolz
angebracht wäre. Er hört Abwehr, wo Ehrgeiz nötig wäre. Und er hört am lautesten
dann, wenn etwas zu gut läuft.
Das jüngste Beispiel ist die Debatte über die Universität Innsbruck. Nur noch
47,9 Prozent der Studierenden bringen ein österreichisches Maturazeugnis mit,
bei den Erstsemestrigen sind es weniger als 40 Prozent. Statt darin das zu
sehen, was es ist – nämlich ein Gütesiegel: dass Menschen aus ganz Europa und
der Welt nach Innsbruck kommen wollen, um zu studieren –, wird es zum Problem
erklärt. Die Antwort, die man sucht, heißt Quote. Eine fixe Aufteilung der
Studienplätze nach Herkunft. Nicht nach Können. Nach Pass.
Dieser Antrag beginnt bei dieser Quote, weil sie ein Symptom ist. Sie steht für
eine Haltung, die Tirol seit zu langer Zeit lähmt: die Angst vor Veränderung.
Die Vorstellung, man könne Wohlstand sichern, indem man die Tür ein Stück weiter
zumacht. Die Überzeugung, das Beste liege hinter uns und müsse nur verteidigt
werden.
Wir sind vom Gegenteil überzeugt. Wir glauben, dass Wohlstand nicht verteidigt,
sondern erarbeitet wird. Dass Offenheit keine Bedrohung ist, sondern die
Voraussetzung von allem, was Tirol je groß gemacht hat. Und dass ein Land, das
Angst davor hat, dass sich alles verändert, am Ende genau in dieser Veränderung
untergeht – denn verändern wird sich die Welt so oder so, ob mit Tirol oder
ohne.
Dieser Antrag ist kein Maßnahmenkatalog. Er ist eine Vision. Er beschreibt, was
Tirol sein könnte, wenn es sich entscheiden würde, den Fortschritt nicht zu
fürchten, sondern zu wollen.
1. Der Reflex: Wie aus einer guten Universität ein Problem gemacht wird
Beginnen wir bei dem, was uns am meisten stört. Quoten widersprechen allem,
wofür wir stehen.
Der Gedanke ist im Kern einfach: Es soll zählen, was ein Mensch kann, nicht wen
er kennt – und schon gar nicht, woher er kommt. Was zählen soll, ist der Wille,
etwas zu leisten, und die Fähigkeit, es zu beweisen. Eine Gesellschaft, die
Leistung fördert und honoriert, ist gerecht. Eine Gesellschaft, die nach
Herkunft sortiert, ist es nicht.
Eine Herkunftsquote an der Universität dreht dieses Prinzip um. Sie sagt einem
jungen Menschen, der besser ist, der mehr will, der härter gearbeitet hat: Du
bekommst den Platz trotzdem nicht – wegen deines Passes. Und sie sagt einem
anderen, der schlechter abgeschnitten hat: Du bekommst ihn – wegen deines
Passes. Das ist nicht der Schutz heimischer Studierender. Das ist die Bestrafung
von Leistung und die Belohnung von Zufall.
Damit wir einander richtig verstehen: Wir reden hier von der generellen
Herkunftsquote, von dem Versuch, das Sortieren nach Pass zum Normalfall zu
machen und auf ein Fach nach dem anderen auszuweiten – auf Wirtschaft, auf
Architektur, auf was auch immer als Nächstes „überrannt" erscheint. Das lehnen
wir ab. Etwas anderes sind eng begrenzte Ausnahmen dort, wo ein konkreter,
nachweisbarer Versorgungsbedarf der eigenen Bevölkerung besteht: Bei
Gesundheitsberufen wie der Human- und Zahnmedizin oder der Psychologie lässt
sich ein solcher Bedarf real begründen, weil ein Land seine ärztliche und
psychologische Versorgung sicherstellen können muss. Eine maßvolle Quote ist
dort ein vertretbares Instrument. Der Fehler beginnt genau in dem Moment, in dem
man diese Ausnahme zur Regel erklärt und ein Werkzeug der Daseinsvorsorge in ein
Werkzeug der Abschottung verwandelt.
Dahinter steckt ein Denkfehler, der sich durch die ganze Debatte zieht: die
Vorstellung, ein Studienplatz sei ein Stück Kuchen, das einem weggenommen wird,
sobald ihn ein anderer bekommt. Doch eine Universität ist kein fixer Kuchen. Sie
ist ein lebendiger Ort, dessen Wert davon abhängt, wie gut die Menschen sind,
die dort forschen, lehren und lernen. Eine Universität, an die die Besten aus
ganz Europa kommen wollen, ist keine bedrohte Universität. Sie ist eine
erfolgreiche. Der hohe Anteil internationaler Studierender in Innsbruck ist kein
Alarmsignal. Er ist ein Kompliment, das man gerade dabei ist, in eine
Beleidigung umzudeuten.
Innsbruck liegt rund zweihundert Kilometer von München entfernt. In München
betreibt Google eines seiner größten Entwicklungszentren in Europa. Microsoft
hat dort über Jahrzehnte seine deutsche Zentrale aufgebaut. Rund um diese
Standorte ist ein Ökosystem aus Forschung, Kapital, Talent und Gründergeist
entstanden, das zu den dichtesten des Kontinents zählt. München ist heute ein
Ort, an dem Weltfirmen entstehen.
Und Tirol? In Tirol gilt es als Großereignis, wenn irgendwo eine neue Seilbahn
gebaut wird. Eine neue Seilbahn wird als Innovation gefeiert, als Beweis von
Fortschritt, als Standortargument. Mit allem Respekt vor der Ingenieursleistung
dahinter: Das kann nicht der Maßstab eines Landes sein, das ernst genommen
werden will.
Wir müssen ehrlich sein über das, was wir feiern. Das Vorzeigeunternehmen, das
in Tirol seit Jahren als Beweis dafür herhält, dass wir Hochtechnologie können,
ist MED-EL – der Innsbrucker Weltmarktführer für Hörimplantate. MED-EL ist eine
großartige Firma, ein echter Weltkonzern aus Tirol, und ein Beleg dafür, dass es
geht. Aber MED-EL wurde in den 1970er- und 1980er-Jahren gegründet. Das
Unternehmen, das wir als unser Innovationsbeweis vorzeigen, ist älter als die
meisten Menschen in diesem Saal. Es ist nicht mehr neu. Wir zehren von einer
Gründung, die ein halbes Jahrhundert zurückliegt, und tun so, als sei das ein
laufender Beweis unserer Innovationskraft.
Das ist das eigentliche Problem. Nicht, dass Tirol nichts kann. Sondern dass
Tirol aufgehört hat, den Anspruch zu haben, etwas Neues hervorzubringen. Wir
verwalten unseren Ruf, statt ihn zu erneuern. Und das in einem Moment, in dem
zweihundert Kilometer weiter gezeigt wird, wie schnell ein Standort an einem
vorbeizieht, der sich entschieden hat, vorne sein zu wollen.
Hier liegt die bittere Ironie der Tiroler Debatte. Während über Quoten an der
Universität gestritten wird, ist genau diese Universität still und leise zu
einem der bedeutendsten Forschungsstandorte der Welt geworden – in einem Feld,
das die nächsten Jahrzehnte prägen wird.
Innsbruck ist die Heimat der Quantencomputer. Das ist keine Lokalpatrioten-
Übertreibung, das ist der internationale Stand der Dinge. Die Quantenphysik an
der Universität Innsbruck und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
gehört zur absoluten Weltspitze. Aus ihr ist mit Alpine Quantum Technologies ein
Unternehmen hervorgegangen, das im Frühjahr 2026 mit seiner neuesten Generation
einen europäischen Rekord für einen universellen Quantencomputer aufgestellt
hat. In Innsbruck steht der leistungsstärkste Quantencomputer Europas. Fachleute
weltweit nennen diese Stadt schlicht die Heimat der Ionenfallen-Quantencomputer.
Während Tirol darüber diskutiert, ob zu viele kluge Menschen aus dem Ausland
nach Innsbruck kommen, ist genau hier eine Technologie gereift, um die uns jedes
andere Land der Welt beneidet. Und sie ist nicht trotz, sondern wegen der
Offenheit dieser Universität entstanden. Sie ist das Produkt von Forschern, die
aus aller Welt zusammenkamen, weil Innsbruck ein Ort war, an dem man Weltklasse-
Wissenschaft machen konnte.
Das ist der Beweis, dass es geht. Tirol kann Weltspitze. Tirol ist in einem
Zukunftsfeld bereits Weltspitze. Die Frage ist nur, ob wir bereit sind, aus
dieser Forschungsexzellenz auch wirtschaftliche Stärke zu machen – oder ob wir
zusehen, wie das hier geschaffene Wissen anderswo zu Wohlstand wird.
Denn Forschung allein reicht nicht. Eine Erkenntnis, die in einem Labor bleibt,
verändert kein Land. Erst wenn aus Forschung Unternehmen werden, aus Patenten
Produkte und aus Doktoranden Gründer, entsteht das, was München ausmacht und was
Tirol fehlt: ein Ökosystem. Dafür braucht es eine Gründungs- und Spin-off-
Offensive, die diesen Namen verdient – einen Weg von der Universität in den
Markt, der nicht durch Bürokratie, sondern durch Möglichkeiten gepflastert ist.
Und es braucht Kapital, das bereit ist, ins Risiko zu gehen. Wagniskapital ist
nichts anderes als die Bereitschaft, an eine Idee zu glauben, bevor sie sich
bewiesen hat. Wo dieses Kapital fehlt, wandern die Ideen dorthin ab, wo es
vorhanden ist. Und das ist heute nicht Tirol.
Doch all das – Spin-offs, Kapital, Ökosystem – ist nur die zweite Hälfte der
Geschichte. Die erste Hälfte ist eine Frage der Haltung.
4. Talent ist frei – und geht dorthin, wo es willkommen ist
Es nützt die beste Universität nichts, wenn das Land um sie herum nicht will,
dass die Menschen, die sie anzieht, auch bleiben.
Das ist der Punkt, an dem die Quotendebatte und die Standortfrage
zusammenfallen. Wer Spitzentalente ausbildet und sie dann mit Misstrauen
behandelt, wird sie verlieren. Wer Forscher aus dem Silicon Valley anziehen
will, aber ihnen das Leben hier schwer macht, wird sie an München verlieren.
Talent ist das mobilste Gut der Welt. Es bleibt nicht aus Dankbarkeit. Es bleibt
dort, wo es willkommen ist und wo es leben kann.
Und genau hier scheitert Tirol an Banalitäten. Stellen wir uns eine Ingenieurin
vor, die in einem führenden Technologiezentrum der Welt gearbeitet hat und nun
überlegt, ein Start-up in Europa aufzubauen. Sie kommt nach Innsbruck. Die
Landschaft ist perfekt. Das Klima ist perfekt. Der Lebensstandard ist höher als
an vielen Orten, von denen sie kommt. Sie könnte hier glücklich werden. Und dann
fragt sie, wo ihre Kinder zur Schule gehen sollen – und es gibt kaum
englischsprachige, international ausgerichtete Kindergärten und Volksschulen,
und die wenigen Plätze sind längst vergeben. In diesem Moment ist die
Entscheidung gefallen. Nicht gegen Tirol, weil Tirol nicht schön genug wäre.
Gegen Tirol, weil München die Schule hat, die Tirol nicht hat. Sie geht nach
München, und mit ihr geht das Start-up, das hier hätte entstehen können.
Das ist keine abstrakte Sorge. Das ist die Mechanik, nach der Standorte gewinnen
oder verlieren. Wer internationale Spitzenkräfte will, muss eine internationale
Infrastruktur des Alltags bieten: englischsprachige Bildung von der Krippe bis
zur Matura, einen Aufenthaltsweg, der Menschen nicht behandelt, als müssten sie
sich für ihr Kommen rechtfertigen, eine Verwaltung, die Englisch spricht und
Tempo kennt. Das alles ist nicht Luxus. Es ist die Grundausstattung eines
Standorts, der im globalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe mitspielen will.
Offenheit ist für uns kein moralisches Zugeständnis, das man der Welt macht.
Offenheit ist Eigeninteresse. Ein Land, das die Besten anzieht und behält, wird
reicher, freier und lebendiger. Ein Land, das sie abweist, wird ärmer, enger und
älter. Die Quote ist die institutionalisierte Form dieser Selbstverarmung. Sie
ist der Versuch, sich vor dem zu schützen, was uns retten würde.
An dieser Stelle kommt der entscheidende Unterschied. Wenn man in Tirol über
Innovation spricht, landet man schnell bei Förderprogrammen. Das Land hat
unzählige davon. Man fördert hier eine App mit hunderttausenden Euro, dort ein
Projekt, das kaum Spuren hinterlässt. Es wird viel Geld verteilt und wenig
bewegt.
Wir glauben nicht an diesen Weg. Nicht, weil wir gegen Innovation wären, sondern
weil Subvention das schwächste Werkzeug ist, das ein Staat hat. Förderung
bedeutet, dass der Staat entscheidet, welche Idee es wert ist, Geld zu bekommen.
Doch der Staat ist ein schlechter Investor. Er kennt die Zukunft nicht besser
als alle anderen, er kennt sie meist schlechter. Was er an Geld verteilt,
verteilt er nach politischen, nicht nach unternehmerischen Kriterien. Und am
Ende sind viele Förderungen vor allem eines: ein teurer Beweis dafür, dass man
etwas getan hat.
Unser Weg ist ein anderer. Der Staat soll nicht auswählen, wer gewinnt. Er soll
die Bedingungen schaffen, unter denen möglichst viele es versuchen können. Er
soll nicht Investor sein, sondern Ermöglicher. Und das Wertvollste, was ein
Ermöglicher bieten kann, ist nicht Geld – es ist das Wegräumen von Hindernissen.
Das heißt konkret: Standort- und Genehmigungsbeschleunigung. Es kann nicht sein,
dass ein junges Unternehmen Monate oder Jahre auf Verfahren wartet, die anderswo
in Wochen erledigt sind. Jeder Tag, den eine Genehmigung länger dauert als
nötig, ist ein Tag, an dem das Unternehmen anderswo schneller gewesen wäre.
Bürokratie ist nicht neutral. Sie ist ein Standortnachteil, den wir uns selbst
zufügen.
Es heißt: physische Räume statt Förderbescheide. Was ein entstehendes Ökosystem
braucht, sind Orte – Hubs, Inkubatoren, Flächen, an denen Gründer, Forscher und
Kapital aufeinandertreffen. Nicht digitale Förderportale, sondern Wände, Labore,
Werkstätten und Schreibtische, an denen Menschen sich begegnen und etwas
Gemeinsames bauen.
Und es heißt vor allem: eine Haltung. Die wichtigste Infrastruktur ist nicht aus
Beton. Sie ist im Kopf. Solange Politik und Bevölkerung im Grunde nicht wollen,
dass hier Start-ups, Spin-offs und neue Industrien entstehen – mit allem, was
dazugehört, mit Zuzug, mit Veränderung, mit Menschen, die anders sind –, wird
kein Förderprogramm der Welt etwas ändern. Der erste und billigste Schritt zum
Innovationsstandort kostet keinen Cent: Es ist die Entscheidung, ihn zu wollen,
und sie laut auszusprechen.
Wenn wir es ernst meinen, dann sollten wir den Mut haben, es an einem Ort
wirklich zu zeigen. Unsere Vision ist eine Tiroler Pilotregion, die sich zu
hundert Prozent dem Fortschritt verschreibt – ein Reallabor, in dem das, was
anderswo an Vorschriften, Verfahren und Vorsicht erstickt, einmal in voller
Freiheit ausprobiert werden darf.
Stellen wir uns eine Zone vor, in der die Regeln nicht der Maßstab sind, sondern
die Möglichkeiten. In der ein Start-up nicht erst beweisen muss, dass es harmlos
ist, bevor es etwas tun darf, sondern in der es etwas tun darf und erst dann
beurteilt wird, wenn es etwas geschaffen hat. In der künstliche Intelligenz
entwickelt, trainiert und eingesetzt werden kann, ohne dass jeder Schritt von
vornherein von einem Dickicht aus Auflagen begleitet wird. In der nicht nur
produzierende Betriebe, sondern gerade die digitalen, die forschungsnahen, die
radikal neuen Unternehmen einen Raum finden, in dem Fortschritt der
Normalzustand ist und nicht die genehmigungspflichtige Ausnahme.
Das ist eine bewusst große Idee. Sie wird Widerspruch ernten, und das ist gut
so. Denn jede ernsthafte Veränderung beginnt mit einem Vorschlag, den die
Bewahrer für undenkbar erklären. Eine solche Freiheitszone wäre ein Signal an
die ganze Welt: Hier, in Tirol, gibt es einen Ort, an dem man bauen darf. An dem
man nicht gegen den Staat arbeiten muss, sondern mit ihm. An dem die
Standardantwort nicht „das geht nicht" lautet, sondern „versuchen wir es".
Die Überzeugung, dass Freiheit nicht das Risiko ist, das man eingehen muss,
sondern die Quelle, aus der Wohlstand entsteht. Dass Menschen, denen man
vertraut und denen man Raum gibt, mehr Gutes schaffen als jede Behörde, die sie
verwaltet. Eine Pilotregion des Fortschritts wäre der gebaute Beweis dieser
Überzeugung – und der schärfste denkbare Gegenentwurf zur Quote.
Nichts von alldem funktioniert ohne Energie. Und genau hier hat Tirol einen
Vorteil, der so groß ist, dass man fassungslos ist, wie wenig wir daraus machen.
Die Zukunft, von der wir sprechen, läuft auf Strom. Künstliche Intelligence
braucht Rechenleistung, Rechenleistung braucht Rechenzentren, und Rechenzentren
brauchen enorme Mengen Energie – am besten günstig, am besten sauber, am besten
verlässlich. Wer in dieser Zukunft vorne sein will, braucht Strom im Überfluss.
Energie ist das A und O des digitalen Zeitalters.
Und Tirol hat sie. Jedes andere Land würde uns um unsere Berge beneiden – nicht
nur wegen der Natur und des Tourismus, sondern wegen der Wasserkraft. Wir
wissen, wie man saubere Energie erzeugt. Wir wissen, wie man sie speichert, in
Pumpspeicherkraftwerken, die das größte Problem der erneuerbaren Energie lösen:
ihre Schwankung. Wir könnten günstigen, sauberen Strom in einer Menge und
Verlässlichkeit bereitstellen, von der andere Standorte nur träumen. Wir sind
für das Energiezeitalter der künstlichen Intelligenz so prädestiniert wie kaum
eine Region Europas.
Das verändert die ganze Erzählung. Plötzlich sind die Berge nicht nur
Postkartenmotiv und Skigebiet, sondern das Fundament eines
Hochtechnologiestandorts. Plötzlich passt alles zusammen: die Energie aus dem
Wasser, die Rechenzentren, die darauf laufen, die künstliche Intelligenz, die in
ihnen entsteht, die Quantencomputer an der Universität, die das nächste Kapitel
dieser Technologie schreiben. Tirol hätte alle Glieder der Kette – von der
sauberen Kilowattstunde bis zum Quantenalgorithmus. Wir müssten sie nur
zusammenfügen, statt jedes Glied einzeln zu verwalten und keines zu nutzen.
Dazu gehört, Energie in ihrer ganzen Breite zu denken: Wasserkraft als Rückgrat,
dazu Windkraft, Solarenergie, Tiefengeothermie, jede saubere Quelle, die uns
unabhängiger und stärker macht. Energie ist nicht nur ein Klimathema. Sie ist
die härteste Standortfrage des kommenden Jahrzehnts. Und Tirol sitzt auf einem
Schatz, den es bislang vor allem fotografiert.
8. Der unterschätzte Weltmarktführer: Alpine Technik als Hightech
Eine letzte Stärke übersehen wir, weil wir sie falsch einordnen. Tirol ist
Weltspitze in der alpinen Technik – im Bau von Seilbahnen, in der Schnee- und
Pistentechnik, in allem, was es braucht, um in extremem Gelände Großes zu bauen
und zu bewegen. Wir behandeln das als Tourismus. Tatsächlich ist es
Hochtechnologie und Maschinenbau auf Weltniveau.
Hier liegt ein Cluster verborgen, den niemand als solchen erzählt: Tiroler
Unternehmen, die in ihren Nischen den Weltmarkt anführen, die exportieren, die
forschen, die hochkomplexe Ingenieursleistung erbringen – und die wir gedanklich
in die Schublade „Bergbahn" stecken, statt sie als das zu sehen, was sie sind:
Industrie der Spitzenklasse, gewachsen ohne Subvention, getragen von Können und
Wettbewerb. Wenn wir lernen, diese Stärke als Hightech zu begreifen und nicht
als Folklore, entsteht daraus ein weiteres Standbein eines selbstbewussten
Innovationsstandorts.
Es ist dieselbe Lektion wie überall in diesem Antrag: Tirol unterschätzt sich.
Es nennt seine Weltspitze Tourismus, seine Energie Landschaft und seine
internationale Universität ein Problem. Es ist Zeit, das umzudrehen.
Damit sind wir bei der Quintessenz. Bei der Frage, um die es in Wahrheit geht.
Mit Quoten und mit Panik vor Veränderung kommen wir nicht weiter. Das ist keine
Frage der politischen Geschmacksrichtung, das ist eine Frage der Richtung der
Geschichte. Die Welt verändert sich, ob es uns gefällt oder nicht. Künstliche
Intelligenz, Quantentechnologie, neue Industrien – das alles kommt, und es kommt
schnell. Wer sich davor fürchtet und versucht, es aufzuhalten, indem er die Tür
zumacht, der hält nichts auf. Er sorgt nur dafür, dass die Veränderung woanders
stattfindet und ihn zurücklässt. Wer Angst davor hat, dass sich alles verändert,
der wird am Ende in genau dieser Veränderung untergehen.
Man muss sich nur ansehen, wie es anders geht – und man muss dafür nicht weit
schauen. Bayern ist, bei aller Verschiedenheit, ein im Kern ähnlich konservativ
geprägtes Land wie Tirol. Auch dort gibt es Tradition, Heimat, Stolz auf das
Eigene. Und trotzdem hat München sich entschieden, ein Ort des Fortschritts zu
werden. Es hat den Widerspruch aufgelöst, der Tirol lähmt: dass man seine
Wurzeln nur behält, wenn man die Zukunft abwehrt. München zeigt, dass das
Gegenteil stimmt. Dass man stolz auf das Eigene sein und zugleich der offenste,
modernste, ehrgeizigste Standort weit und breit sein kann. Tirol könnte das
auch. Wir haben jede Grundlage dafür – die Universität, die Quantenphysik, die
Energie, die Lebensqualität, die Lage. Uns fehlt nur die Entscheidung.
Wie viel auf dem Spiel steht, zeigt eine Geschichte, die in Österreich begann
und anderswo endete. Peter Steinberger ist Österreicher. Ende 2025 hat er mit
OpenClaw eines der meistbeachteten KI-Projekte des Jahres geschaffen – ein
Werkzeug, das innerhalb weniger Wochen weltweit explodierte. Wenige Monate
später ging er ins Silicon Valley, zu OpenAI. Das ist keine Anklage gegen ihn;
es war seine Entscheidung, und sie ist nachvollziehbar. Aber sie erzählt etwas
über uns. Österreich bringt solche Talente hervor. Was Österreich nicht hat, ist
das Ökosystem, in dem aus solchen Talenten Weltfirmen werden – das Kapital, die
Dichte, die Geschwindigkeit, der Sog. Dieses Ökosystem steht in San Francisco.
Es könnte, ein Stück weit, auch in Innsbruck stehen.
Man darf träumen: Hätte Tirol die Bedingungen geboten, von denen dieser Antrag
spricht – die Offenheit, die Räume, die Energie, das Tempo, das Willkommen –,
vielleicht wäre der nächste, der eine solche Idee hat, nicht nach Kalifornien
gegangen. Vielleicht wäre er geblieben. Vielleicht wäre er gekommen. Genau dafür
kämpfen wir.
Die JUNOS Tirol bekennen sich zu einem Tirol, das den Fortschritt nicht
fürchtet, sondern will. Wir treten ein für ein Land, das offen, mutig und frei
ist – und das den Anspruch hat, im Wettbewerb der besten Standorte der Welt
vorne mitzuspielen, statt seine Errungenschaften zu verwalten und seine Stärken
zu verkennen.
Wir lehnen generelle Herkunftsquoten an den Universitäten entschieden ab. Was
zählen muss, ist Leistung und Wille, nicht der Pass. Eng begrenzte Ausnahmen bei
nachweisbarem Versorgungsbedarf der eigenen Bevölkerung – etwa in den
Gesundheitsberufen – sind etwas grundlegend anderes als die Ausweitung dieses
Instruments auf immer neue Fächer. Der hohe Anteil internationaler Studierender
in Innsbruck ist kein Problem, sondern ein Gütesiegel, das es zu schützen gilt.
Wir bekennen uns zur Universität Innsbruck und ihrer Quantenforschung als
Weltspitze und fordern eine echte Gründungs- und Spin-off-Offensive, die
Forschung in Unternehmen verwandelt, sowie ein Umfeld, in dem Wagniskapital den
Mut zu neuen Ideen finanzieren kann.
Wir wollen Tirol zu einem Ort machen, an dem internationale Spitzenkräfte nicht
nur studieren, sondern leben und gründen wollen – mit englischsprachiger Bildung
von der Krippe bis zur Matura, mit einer weltoffenen Verwaltung und mit einem
Zugang, der Menschen willkommen heißt statt sie zu misstrauen.
Wir wollen einen Staat, der nicht fördert, sondern ermöglicht – der
Genehmigungen beschleunigt, Hindernisse wegräumt, physische Räume für Innovation
schafft und seine Energie nicht in Förderportale, sondern in echte
Standortbedingungen steckt.
Wir fordern den Mut zu einer Pilotregion des Fortschritts – einem Reallabor, in
dem Unternehmen und Forschung in größtmöglicher Freiheit ausprobieren dürfen,
was die Zukunft trägt, von künstlicher Intelligenz bis zu Technologien, die wir
heute noch nicht kennen.
Wir wollen Tirols natürlichen Vorteil endlich nutzen: saubere, günstige,
verlässliche Energie aus Wasserkraft, Pumpspeicher und allen erneuerbaren
Quellen als Fundament eines digitalen Hochtechnologiestandorts mit
Rechenzentren, künstlicher Intelligenz und Quantentechnologie.
Und wir wollen, dass Tirol seine eigenen Stärken endlich richtig benennt – die
alpine Technik als Weltklasse-Industrie, die Berge als Energiequelle, die
internationale Universität als Trumpf.

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