| Veranstaltung: | Landeskongress Tirol |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 8.b. Weitere Anträge |
| Antragsteller*in: | Georg Satzinger, Bernhard Huber, Tobias Reindl & Julian Pfurtscheller |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 21.06.2026, 08:25 |
A1: Chancen statt Klischees - Die Zukunft braucht Fachkräfte
Antragstext
Die Lehre ist eine der wichtigsten Säulen unseres Wirtschaftsstandorts. Trotzdem
kämpfen viele Betriebe händeringend um Lehrlinge, während gleichzeitig immer
mehr junge Menschen das Gefühl haben, dass nur ein Studium als „echter“
Bildungsweg gilt. Die Folge: Fachkräftemangel auf der einen Seite und ein
Bildungssystem auf der anderen Seite, das praktisches Talent noch immer zu oft
unterschätzt.
Dabei liegt das Problem nicht an der Lehre selbst – sondern daran, wie wir über
sie reden und wie wir sie organisiert haben. Noch immer wird die Lehre oft als
„zweite Wahl“ wahrgenommen. In Schulen fehlt es an moderner Berufsorientierung,
Eltern kennen viele neue Lehrberufe kaum und Jugendliche kommen häufig erst viel
zu spät mit den Chancen einer Lehre in Berührung.
Besonders absurd ist dabei, dass wir in Österreich zwar ständig von
„Durchlässigkeit“ im Bildungssystem sprechen, viele Bildungswege aber weiterhin
künstlich voneinander getrennt werden. Die Lehre mit Matura ist ein
Erfolgsmodell, wird aber noch immer viel zu wenig sichtbar gemacht. Gleichzeitig
entscheiden sich viele AHS-Maturantinnen und Maturanten erst später bewusst für
eine Lehre – weil sie Praxis, Unternehmertum und echte Berufserfahrung suchen.
Genau diese Wege verdienen endlich mehr Anerkennung.
Auch berufsbildende mittlere Schulen wie HAS oder LLA werden oft unterschätzt,
obwohl sie für viele junge Menschen das ideale Sprungbrett in eine hochwertige
Lehrausbildung sind. Wer bereits Vorbildung oder Abschlüsse mitbringt, sollte
außerdem nicht noch einmal dieselben Inhalte durchlaufen müssen. Das System ist
hier oft unnötig starr.
Während Unternehmen längst mit KI, Robotik und digitalen Prozessen arbeiten,
dominieren in manchen Berufsschulen noch starre Lehrpläne und Auswendiglernen.
Moderne Projektarbeit, hybride Lernmodelle oder digitale Kompetenzen sind
vielerorts noch Ausnahme statt Standard.
Gerade in Zeiten von KI und Automatisierung wird oft so getan, als würde
praktische Arbeit an Bedeutung verlieren. Tatsächlich passiert das Gegenteil.
Denn vieles, was unsere Gesellschaft am Laufen hält, kann nicht einfach
automatisiert werden: Handwerk, Technik, Pflege, Produktion oder praktische
Problemlösung bleiben unverzichtbar. Eine KI kann vielleicht Texte schreiben
oder Daten analysieren – aber sie repariert keine Heizung, installiert keine
Solaranlage und baut keine Maschinen.
Die Lehre vermittelt Fähigkeiten, die realen Mehrwert schaffen – mit echten
Ergebnissen, echter Verantwortung und echter Praxis. Dieses Selbstbewusstsein
muss die Lehre auch wieder ausstrahlen.
Wer anpackt, Verantwortung übernimmt und praktische Lösungen schafft, verdient
dieselbe gesellschaftliche Anerkennung wie jeder akademische Bildungsweg.
Wir JUNOS wollen die Lehre aus der alten Schublade holen und neu denken – als
modernen Karriereweg mit Zukunft, Aufstiegschancen und internationaler
Perspektive.
Dafür braucht es zuerst eine echte Bewusstseinsoffensive. Berufsorientierung
darf keine einmalige Pflichtübung sein, sondern muss jungen Menschen echte
Einblicke in die Arbeitswelt ermöglichen. Berufsorientierung muss praxisnäher,
moderner und kontinuierlicher stattfinden. Regelmäßige Praxistage in Betrieben,
Projektarbeiten mit Unternehmen sowie Lehrlinge und innovative Berufsbilder
direkt in den Schulen sollen Jugendlichen frühzeitig zeigen, welche Chancen und
Möglichkeiten moderne Lehrberufe bieten.
Gleichzeitig müssen auch Eltern stärker eingebunden werden, weil sie bei
Bildungsentscheidungen eine zentrale Rolle spielen. Elternabende gemeinsam mit
Betrieben, ehemaligen Lehrlingen und Ausbildungsorganisationen können helfen,
alte Vorurteile abzubauen und ein realistisches Bild der heutigen Lehre zu
vermitteln. Zusätzlich braucht es transparente Informationen über Karriere-,
Weiterbildungs- und Einkommenschancen nach einer Lehre, damit junge Menschen und
ihre Familien fundierte Entscheidungen treffen können. Lehrlingsmessen und
Informationskampagnen sollen deshalb gezielt auch Eltern ansprechen und die
Lehre als modernen Karriereweg sichtbar machen.
Besonders wichtig ist uns dabei, alle Bildungswege rund um die Lehre sichtbarer
zu machen. Die Lehre mit Matura muss weiterhin aktiv gefördert werden, weil sie
jungen Menschen zusätzliche Möglichkeiten eröffnet und zeigt, dass Praxis und
höhere Bildung kein Widerspruch sind.
Gleichzeitig wollen wir auch die Lehre nach der Matura stärker etablieren. Wer
nach einer AHS-Matura oder nach anderen schulischen Abschlüssen bewusst den
Schritt in die Praxis machen möchte, darf nicht das Gefühl haben,
„zurückzugehen“. Im Gegenteil: Gerade diese Kombination aus Allgemeinbildung und
praktischer Ausbildung verbindet oft das Beste aus beiden Welten.
Auch berufsbildende mittlere Schulen wie HAS oder LLA müssen stärker als
hochwertige Vorbereitung auf eine Lehre verstanden werden. Diese Bildungswege
vermitteln bereits wichtige Grundlagen und gehören viel besser mit dem
Lehrsystem vernetzt.
Wer bereits schulische Vorqualifikationen mitbringt, soll außerdem von einer
verkürzten Lehrzeit profitieren können. Vorwissen muss anerkannt werden – nicht
ignoriert.
Parallel dazu braucht es endlich eine echte Modernisierung der Berufsschulen.
Moderne Werkstätten, digitale Infrastruktur, attraktive Lernräume und zeitgemäße
Labore sind keine Luxusprojekte, sondern Grundvoraussetzungen für eine
hochwertige Ausbildung. Junge Menschen verdienen Ausbildungsstätten, die
Innovation ausstrahlen – nicht Stillstand.
Darüber hinaus wollen wir die Lehre inhaltlich modernisieren. KI, Robotik und
digitale Kompetenzen müssen fixer Bestandteil moderner Lehrpläne werden. Statt
sturem Auswendiglernen braucht es mehr echte Projektarbeit, mehr
Eigenverantwortung und eine stärkere Ideenkultur.
Auch die Organisation der Berufsschule gehört reformiert. Weniger starre
Blocksysteme und stattdessen regelmäßiger Unterricht – etwa ein Berufsschultag
pro Woche – würden den Bezug zur Praxis stärken. Ergänzend dazu sollen hybride
und digitale Lernangebote ausgebaut werden.
Zusätzlich wollen wir Leistung stärker sichtbar machen – etwa durch
Lehrlingswettbewerbe, Leistungsprämien und internationale Austauschprogramme wie
ein Erasmus für Lehrlinge.
Viele Lehrlinge stehen heute vor dem Problem, dass es für ihren gewählten
Lehrberuf im eigenen Bundesland keine passende Berufsschule gibt. Die
Konsequenz: Sie müssen für mehrere Wochen oder Monate in ein anderes Bundesland
wechseln und dort im Internat wohnen. Gerade für junge Menschen ist das oft eine
massive Hürde – sozial, organisatorisch und finanziell.
Dabei leben wir längst in einer digitalen Welt, in der Lernen nicht mehr an
einen bestimmten Ort gebunden sein muss.
Wir JUNOS wollen deshalb „Lehre on Demand“ ermöglichen: flexible hybride und
digitale Berufsschulangebote, die es Lehrlingen erlauben, Teile ihrer Ausbildung
bequem und zeitgemäß online zu absolvieren. Moderne Lernplattformen, digitale
Unterrichtseinheiten und hybride Modelle können helfen, regionale Nachteile
abzubauen und mehr jungen Menschen den Zugang zu ihrer Wunschlehre zu
ermöglichen.
Nicht jede Ausbildung braucht zwingend wochenlange Anwesenheit in einem
Internat. Gerade in Zeiten von Digitalisierung und Remote-Arbeit muss auch die
Lehre endlich moderner und flexibler gedacht werden.
Unterschiedliche Bildungswege brauchen unterschiedliche Anforderungen
Gleichzeitig ist uns wichtig: Kein Lehrling soll durch unnötige Überforderung
aus dem System gedrängt werden.
Wer sich bewusst für eine klassische Lehre entscheidet, soll sich auf eine
hochwertige praktische Ausbildung konzentrieren können, ohne automatisch
dieselben erweiterten theoretischen Anforderungen erfüllen zu müssen wie jemand,
der zusätzlich die Matura absolviert.
Die Lehre mit Matura bleibt für uns ein wichtiges Erfolgsmodell, das weiterhin
aktiv gefördert werden soll. Sie richtet sich an jene, die zusätzlich ein
höheres theoretisches Niveau anstreben und sich weitere Bildungs- und
Karrierewege offenhalten möchten.
Das bedeutet aber auch: Unterschiedliche Bildungswege brauchen unterschiedliche
Schwerpunkte. Nicht jede Ausbildung muss identisch aufgebaut sein, um gleich
viel wert zu sein.
Wir wollen ein System, das individuelle Stärken fördert, anstatt alle in
dasselbe starre Modell zu pressen.
Viele Reformen rund um Lehrpläne, Ausbildungsordnungen oder die Lehre mit Matura
liegen auf Bundesebene. Auch die Berufsschullehrpläne werden bundesweit
geregelt. (RIS)
Die Bundesländer tragen jedoch eine zentrale Verantwortung für die Berufsschulen
selbst – insbesondere bei Gebäuden, Infrastruktur, Ausstattung und der
organisatorischen Gestaltung der Schulen. Genau hier kann und muss Landespolitik
handeln.
Gerade deshalb dürfen sich die Länder nicht länger aus der Verantwortung
stehlen. Wer ständig vom Fachkräftemangel spricht, muss auch bereit sein, in
moderne Berufsschulen zu investieren.
Die JUNOS fordern daher eine umfassende Modernisierung der Lehre durch:
die stärkere Sichtbarkeit von Lehre mit Matura sowie Lehre nach der Matura
eine bessere Verknüpfung von berufsbildenden mittleren Schulen mit dem
Lehrsystem,
die Anerkennung von Vorqualifikationen durch verkürzte Lehrzeiten,
moderne Berufsschulen mit zeitgemäßer Infrastruktur und Ausstattung,
sowie eine Reform der Berufsschulen hin zu mehr Praxis, Digitalisierung,
Flexibilität und Zukunftskompetenzen wie KI und Robotik.

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