| Veranstaltung: | VI. Mitgliederversammlung JUNOS Schüler:innen |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | #12.2. weitere inhaltliche Anträge |
| Status: | Beschluss |
| Beschluss durch: | Mitgliederversammlung |
| Beschlossen am: | 07.05.2023 |
| Basierend auf: | A1: Grundsatzprogramm |
Grundsatzprogramm
Beschlusstext
Wir JUNOS Schüler:innen stellen die Schüler:innen in den Mittelpunkt. Uns
schwebt eine Schule vor, die auf ein Leben in Freiheit vorbereitet. Sie soll
Schüler:innen zu selbstbestimmten Individuen ausbilden. Dabei ist klar, dass
Schule ein Ort sein soll, wo man gerne hin geht. Schüler:innen haben eine Schule
verdient, wo Mitbestimmung und Eigenverantwortung eine zentrale Rolle spielen.
Liberale Bildungspolitik bedeutet Talente und Potenziale aller Schüler:innen
bestmöglich individuell zu fördern und zu fordern. JUNOS Schüler:innen steht ein
für Freiheit, Chancengerechtigkeit, Mündigkeit, Demokratie und Transparenz. So
ermöglichen wir unsere Vision einer freien Schule von morgen.
Schule sollte genau so frei sein wie die Schüler:innen innerhalb der Schule.
Schüler:innen haben eine Schule der Freiheit verdient. Um das Beste aus unserem
Bildungssystem herauszuholen, braucht es Autonomie und Gestaltungsfreiraum. Wir
sind davon überzeugt, dass Top-Down Maßnahmen bei weitem nicht so zielführend
sind wie echte Autonomie an den Schulstandorten. Damit die
Entscheidungskompetenzen des SGA sowie der Direktionen erweitert werden können,
muss im Sinne der Qualitätssicherung ein transparenter Vergleich der Schulen
ermöglicht werden. Dadurch kann das österreichische Bildungssystem vielfältiger
werden und sich an die Bedürfnisse der Schüler:innen anpassen.
Uns geht nicht nur um die Freiheit und Autonomie der Schulstandorte, sondern
auch die der Schüler:innen selbst. Damit Schule verantwortungsvolle Menschen
hervorbringen kann, muss den Schüler:innen auch Verantwortung gegeben werden.
Eigenverantwortung und Freiheit in den Vordergrund zu stellen, ermöglicht es
Schüler:innen zu verantwortungsvollen und selbstbestimmten Bürger:innen zu
werden.
Schule soll, davon sind wir überzeugt, Schüler:innen die Chancen bieten, die
jeder Mensch braucht, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Solange
unser Schulsystem diesen Anforderungen nicht gerecht wird, werden
Ungerechtigkeiten weiterhin reproduziert. Es braucht ganz im Gegenteil echte
Chancengerechtigkeit, die sich nicht in kurzgedachter Chancengleichheit
erschöpft. Das heißt, dass es uns eben nicht darum geht, alle Schüler:innen in
die engen Grenzen eines einheitlichen Schulsystems zu sperren, sondern jede:n
einzelne:n zu fördern und zu fordern. Klar ist auch, dass wer Leistung bringt,
auch dafür belohnt werden muss. Dabei darf das Geschlecht der Schüler:innen
keine Rolle spielen. Des Weiteren bedarf es einer individuellen Förderung von
Schüler:innen mit Beeinträchtigung. Nur durch gelebte Chancengerechtigkeit kann
man vom Freiheitsversprechen und in weiterer Folge vom Aufstiegsversprechen
durch Bildung sprechen. Die Schule, die uns vorschwebt, sieht in ihren
Schüler:innen nicht Kinder ihrer Eltern, Mitglieder von sozialen Gruppen oder
Konfessionsgemeinschaften, sondern selbstständige Individuen. Damit der
Bildungsgrad nicht mehr nur von dem der Eltern abhängt, braucht es neue
Lernkonzepte, die von einem Frontalunterricht vormittags und dem Wiederholen des
Stoffes mit oder ohne Unterstützung der Eltern nachmittags abweichen. Darüber
hinaus sind wir der festen Überzeugung, dass eine gemeinsame Schule, die auf die
Individualität der Schüler:innen achtet und diese fordert und fördert,
unabdingbar auf dem Weg zu einer echten Chancengerechtigkeit ist.
Schule ist kein Selbstzweck, sondern soll Schüler:innen auf ein selbstbestimmtes
und mündiges Leben vorbereiten. Es braucht also eine Schule der Mündigkeit. Eine
Schule, in der die Grundkenntnisse für ein mündiges Leben gelehrt werden. Neben
diesen Grundkenntnissen, die jede:r braucht, um ein selbstbestimmtes Leben in
Freiheit leben zu können, sollen Schüler:innen selbstständig entscheiden können,
was sie lernen wollen, damit sie ihren individuellen Weg gehen können.
Ein selbstbestimmtes Leben setzt nämlich gewisse Grundkenntnisse voraus. Dazu
gehören Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen, aber auch die digitale
Mündigkeit. Also die Fähigkeit, digitale Informationen zu suchen, auszuwerten,
kritisch zu analysieren und deren Quellen zu identifizieren. Ebenso nicht zu
vernachlässigen ist echte praktische Bildung, die es im gleichen Ausmaß
benötigt, damit Schüler:innen selbstständig ihren Lebensalltag meistern können.
Diese Grundkenntnisse sollen bis zu einer Mittleren Reife, als Startschuss für
ein Leben in Freiheit, gefestigt werden. Klar ist aber auch, dass der Prozess
hin zu echter Mündigkeit ein schrittweiser und kein plötzlicher ist.
Schüler:innen sind selbstbestimmte und mündige Individuen. Sie sind die
Bürger:innen der Zukunft. Aufgabe der Schule ist es, den Schüler:innen zu
ermöglichen, freie und mündige Bürger:innen zu werden. Um dieser Mission gerecht
zu werden, muss Mitgestaltung und Mitbestimmung von Schüler:innen in der Schule
eine wesentliche Rolle spielen. Für uns JUNOS Schüler:innen ist somit echte
Beteiligung auf allen Ebenen unabdingbar.
Echte Mitbestimmung setzt für uns eine starke und demokratisch organisierte
Vertretung voraus. Dafür braucht es faire Wahlen, mit großer Beteiligung, die in
regelmäßigen Abständen abgehalten werden. Eine Vertretung ist nur dann eine
echte Vertretung, wenn sie von möglichst allen Vertretenen gewählt wird. Wir
treten also für ein möglichst breit verteiltes Wahlrecht ein.
Ein fairer Wettbewerb der Ideen im Rahmen regelmäßiger und fairer Wahlkämpfe,
führt natürlich auch zu mehr Kontrolle. Um diesen wichtigen Wettbewerb dauerhaft
sicherzustellen, braucht es jedoch auch institutionelle Regeln für faire
Wahlkämpfe.
Klar ist: Die beste Demokratiebildung ist, Demokratie bereits in der Schule zu
leben. So kann Mitbestimmung und Mitgestaltung in frühen Jahren vereint werden
mit politischer Bildung.
In unserer Vorstellung sind Schüler:innen mündige Bürger:innen, die ein Recht
auf Wissen haben. Diesem Recht auf Wissen stehen die verstaubten Strukturen der
Schule leider allzu oft im Weg. Das negiert nicht nur das Recht der
Schüler:innen, zu wissen wer warum über oder für sie entscheidet, sondern
zerstört auch die Vertrauensbasis, auf die eine gute Schule angewiesen ist.
Wir denken Transparenz von den Schüler:innen her: Wann auch immer für oder über
sie entschieden wird, haben sie ein Recht zu erfahren, warum und auf welcher
Basis das getan wird. Das impliziert eine gläserne Schule auf allen Ebenen.
Beginnend bei der Schulverwaltung braucht es mehr Einsicht in Finanzen und
Bestellung von Personal. Mündige Schüler:innen haben das Recht zu erfahren,
wohin das Budget ihrer Schule fließt. Lehrer:innen müssen transparent in der
Leistungsbeurteilung sein. Die Transparenz zwischen den Schulen muss gestärkt
werden, um die Leistung der eigenen Schule besser beurteilen zu können. Mündige
Bürger:innen sollen sich ein eigenes Bild ihrer Schulen machen können. Natürlich
bedeutet eine gläserne Schule auch eine transparente Vertretung aller
Schüler:innen. Wer sich von den Vertretenen versteckt, ist keine echte
Vertretung.
Transparenz mag nicht alle Probleme lösen, aber kein Problem kann nachhaltig
ohne Transparenz und Ehrlichkeit gelöst werden. Vor mündigen Bürger:innen muss
man nichts verstecken!
